Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Kleines Wörterbuch der Babyzeichen

Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen können

 

von Vivian König

 

Titelbild des Buches

ISBN 3-00-015931-2
erschienen 2005

17,50 €  zzgl. Versandkosten

 

Verlag Karin Kestner

Hufgarten 4b

34302 Guxhagen

 

 

Zum Buch

 

Vivian König bringt Überlegungen und eigene Erlebnisse, die sie mit ihrem Sohn sammeln konnte, in dieses Buch ein und beruft sich dabei u.a. auf Erfahrungen als Mutter, die man in England machen kann. Dort gehören "Kurse in Babyzeichensprache zu den normalen Angeboten für Eltern." (aus dem Vorwort)

Sie hat auf Grund dieser positiven Erfahrungen eine eigene "Zwergensprache entwickelt (basierend auf deutscher Gebärdensprache" (aus dem Vorwort), die sie frisch gebackenen Eltern empfehlen und in ihrem Buch weitergeben möchte. Die Autorin versucht somit in ihrem Buch aufzuzeigen, dass in der Zeitspanne zwischen Geburt und Spracherwerb des Kindes eine Phase des potentiellen Unverständnisses, Missverständnisses und somit ein Zeitraum mangelnder Verständnismöglichkeiten ist/sein könnte.

Einige Bemerkungen zum Aufbau und zur Gestaltung des Buches:

  • Kapitel 1: "Einführung in die Babyzeichensprache" ist gut lesbar und durchaus interessant geschrieben.
  • Kapitel 2: "Wie man am besten beginnt" beschreibt interessierten Eltern Alltagssituationen und viele nachvollziehbare Beispiele sowie Hinweise auf das richtige Vorgehen.
  • Kapitel 3: "Wie geht es weiter" und Kapitel 4: "Für fortgeschrittene Babys" beschäftigen sich mit dem weiteren Verlauf im Umgang mit Babyzeichen.
  • Kapitel 5: "Anregungen und Spielideen" befasst sich mit vielseitigen Beschäftigungen, die Eltern mit ihren Babys unternehmen können und sollen und bietet dazu noch eine ausgewählte Sammlung von Kinderliedern und Reimen mit Babyzeichen an.
  • Bei den in den Kapiteln 2 - 5 genannten Ideen, Anregungen und Hilfsmittel sind bestimmte Wörter/Wortinhalte fett gedruckt. Diese sind im Kapitel 6: "Wörterbuch der Zwergensprache"als 70 Babyzeichen alphabetisch geordnet. Diese Zeichen sind wie im Gebärdenlexikon durch eine Fotographie, Richtungspfeile und zusätzliche, gut umsetzbare Worterklärungen dargestellt.


Da ich auf eigene praktische Erfahrungen nicht zurückgreifen kann, habe ich beschlossen, eine junge Mutter und einen jungen Vater (Rita und Jürgen), sowie (indirekt) das Baby Julian zu Rate zu ziehen. Auf die nun folgenden Fragen haben sie mir so geantwortet:

Hast du/habt ihr selbst bei Julian intuitiv "Babyzeichen" verwendet? ? falls ja, welche? (es genügt die Nennung der "Wesen" oder Dinge) ? welche Vorteile hast du/habt ihr darin gesehen? (teilweise von Videoaufzeichnungen)
Als wir Julian mit unserer Videokamera filmten, wollte er die Kamera selber halten und filmen. Er hat seine Hände zur Faust geballt und sie vor seine Augen gehalten und somit gezeigt, dass er auch filmen bzw. durchschauen möchte. Julian benötigte am Abend zum Einschlafen einen Schnuller - dies hat er uns mit einem spitzen Mund und einem Zisch-Ton verständlich gemacht. Wenn Julian müde war und ins Bett wollte, nahm er sein Ohr in die Hand und drückte bzw. spielte mit ihm (für uns ein Zeichen er möchte sich ausruhen). In den meisten Fällen haben wir ihm die Gegenstände / Dinge gezeigt. Wir fragten z.B. Julian, ob er etwas trinken möchte und haben ihm das Glas Wasser oder die Milch gezeigt.

Warum hast du/habt ihr "Babyzeichen" verwendet?
Es war weniger frustrierend, kein Rätselraten, weniger Stress.

Kennst du noch andere Mütter, die das getan haben? (könntest du sie evt. in deinem Bekanntenkreis fragen?)
Alle in unserer Krabbelgruppe (7Mütter) benutzten die Babyzeichen nicht bewusst (eine Verkäuferin, eine Steuerfachgehilfin, eine Grundschullehrerin, eine Hausfrau, eine Bankangestellte eine Arzthelferin). Die meisten Mütter konnten mit den Babyzeichen wenig anfangen, waren teilweise nicht offen für die Zeichen. Sie erklärten oft, dass sie mit dem Finger auf den Gegenstand zeigen oder später auch Geräusche machen. Viele zeigten (leider) wenig Interesse – sie verbanden die Babyzeichen oft mit Gehörlosen (mein Kind ist doch nicht krank). Bei einigen hatte ich den Eindruck, sie halten das Buch für überflüssig. Sie sagten: "Mein Kind benötigt keine Zeichen, es kann schließlich hören bzw. sprechen – es ist nicht krank." Allerdings an meiner Arbeitstelle war es erstaunlich, dass sich die Omas für dieses Buch interessierten. Eine davon kam eine Woche später zu mir ins Büro und hatte das Buch für ihre Schwiegertochter und das Enkelkind (5 Monate) gekauft. Wir werden es meinem Bruder und der Schwägerin zur Geburt ihres 1. Kindes schenken.

Falls du sie bisher nicht eingesetzt hast, könntest du dir (für die Zukunft) die Verwendung von "Babyzeichen" vorstellen?
Da die Babyzeichen alle sehr leicht zu verstehen bzw. leicht nachvollziehbar sind, warum nicht. Wir haben bei Julian, als wir die Zeichen angewandt haben nichts Negatives entdecken können. Die Argumentation, dass mit den Babyzeichen vieles leichter und verständlicher ist bzw. sein wird, erscheint uns logisch.

Könntest du vielleicht mal zwischendurch mit Julian diese einfachen, d.h. konkreten Gebärden (im Unterschied zu sog. abstrakten Gebärden, aus denen per se nicht hervorgeht, was damit gemeint ist) aus dem Buch anwenden und beobachten:
1. wie er damit umgeht (ob er etwas damit anfangen kann),
2. ob er sie wieder anwendet und
3. ob sie ihm Spaß machen (keine Angst, sie werden seinen Redefluss nicht eindämmen)

Er fand und findet sie „lustig“ und es macht ihm auch sichtlich Spaß. Wir machten ihm die Zeichen ein paarmal mit dem jeweiligen Wort vor, was von Julian auch nachgemacht wurde. Ohne große Anstrengung kamen Zeichen und Wort zurück. Er wendet sie sogar anderen Kindern gegenüber an. Es gibt Zeiten, da wenden wir die Zeichen weniger an und somit auch Julian.

Was hältst du von dem Buch allgemein? Ist es gut zu lesen? Ist es für den "Laien" verständlich? Ist es anregend/überzeugend? Ist es "illusorisch"? Auch die Meinung anderer Bezugspersonen interessiert mich.
Alles ist sehr deutlich, einfach und verständlich geschrieben. Ich hatte unabhängig von diesem Buch eine Dokumentation zu diesem Thema im Fernsehen gesehen (vor ca. einem ¾ Jahr). Es handelte sich um einen Bericht aus den USA, da war mein erster Eindruck (weil vieles teilweise übertrieben dargestellt wurde) "was für ein Quatsch!". Als ich mich mit dem Buch näher befasst hatte, fand ich den Gedanken richtig spannend. Es ist mit einfachen Bildern und verständlicher Sprache über- zeugend dargestellt.

Was hältst du allgemein von der Idee (ich bitte dich um eine ganz offene, ehrliche Meinung)?
Wir finden diese Idee mit den Babyzeichen sehr interessant, vor allem, wie man mit einfachen aber effektiven Zeichen gute Erfolge erzielen kann. Eltern wird ja so mancher Quatsch angeboten, aber in diesem Buch wurde alles sehr verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Vor allem kann man manch frustrierende Zeit nachempfinden, wenn die Kommunikation zwischen Kind und Eltern nicht so recht funktioniert.

Zusammenfassend ist folgendes anzumerken: Die Autorin hat dieses Buch verfasst, weil sie:

  • erreichen möchte, dass das Baby und seine Kommunikationspartner mit dieser "Zwergensprache" einen fließenden Übergang in die Zeit des Spracherwerbs finden,
  • in der Verwendung von Babyzeichen (die der Deutschen Gebärdensprache = DGS entnommen sind) eine Chance sieht, die nonverbale Zeit (zwischen Geburt und Spracherwerb des Kindes) positiv zu überbrücken und
  • bei den in diesem Buch dargestellten Babyzeichen sehr anschauliche, d.h. konkrete Gebärden anbieten kann, die den Inhalt des Zeichens in natürlicher Form mit dem gemeinten Wesen oder Ding in Verbindung bringen.

Es handelt sich bei vorliegendem Buch um ein interessantes, in seinem Anliegen vielleicht etwas ungewöhnliches Buch. Die Anwendung von Gebärden wird im Allgemeinen mit hörgeschädigten Menschen in Verbindung gebracht. Bei oberflächlicher Betrachtung könnten deshalb Missverständnisse auftreten im Hinblick auf die Zielgruppe und das Anliegen der Autorin (siehe Interview). Die Einführung, die Erläuterungen zu den Übungen und Spielen sowie die bildlichen Darstellungen sind gut les- und verstehbar. Die Bilder von den Gebärden können auch von Laien nach einiger Übung in die Praxis übertragen werden. Für Eltern, die in der Zeit zwischen Geburt und Spracherwerb des Kindes eine "zwischensprachliche" Phase einschieben und so für die gegenseitige Beziehung möglichst viel tun wollen, bietet es gute Anregungen.

 

München, im Oktober 2006

Karin Mey

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