Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Schüler mit Hörschädigung im inklusiven Unterricht

Praxistipps für Lehrkräfte Truckenbrodt, Tilly / Leonhardt, Annette

2., durchgesehene Auflage 2016. 78 Seiten. 29 Abb. 3 Tab. DIN A4. Innenteil vierfarbig.
Ernst Reinhardt Verlag, München, 2015
ISBN: 978-3-497-02557-2    Print,  978-3-497-60222-3  E-Book

€ 19,90

 

 

Intention

Die vorliegende Handreichung soll Lehrkräfte bei der Inklusion hörgeschädigter Schüler unterstützen. Erkenntnisse aus Forschung und Evaluation sollen leserfreundlich und praxisnah dargestellt und mit ausreichend Unterstützungsmaterial angeboten werden. Anspruch ist auch, dass das Material bundesweit eingesetzt werden kann.

 

Gestaltung
Die Broschüre ist klar gegliedert: 

  • Vorwort
  • Teil 1: Sachinformationen über Hörschädigung, Hörhilfen, Wege der Kompensation
  • Teil 2: Mobiler Dienst und Kooperation der Beteiligten
  • Teil 3: Gemeinsamer Unterricht für hörende und hörgeschädigte Schüler
  • Teil 4: Praxismaterial
  • Anhang: Glossar und Bildnachweis

Im Teil 1 werden Sachinformationen über die verschiedenen Arten von Hörschädigungen und von technischen Hilfsmitteln für Schüler mit einer Hörschädigung dargestellt. Für eine bessere Nachvollziehbarkeit eingeschränkten Hörens gibt es einen Verweis auf eine englischsprachige Simulation im Internet: www.facstaff.uww.edu/bradleys/radio/hlsimulation

Mit einer kurzen Zusatzinformation wird auf gebärdensprachlich orientierte Mitschüler hingewiesen (S.11), deren Kommunikationssituation eine andere Vorgehensweise erfordert und für die die gegebenen Hinweise zum Sprachverstehen nicht ohne Weiteres übertragen werden können. Hier hilft ein Verweis auf eine Internetseite am Ende des Kapitels weiter: www.kestner.de//n/elternhilfe/verschiedenes/Regelschule_LeitfadenLehrerInnen.pdf

Ausführlichere Zusatzinformationen zur Thematik Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) folgen. Sie werden ebenfalls durch Hinweise auf Internetseiten sinnvoll ergänzt.

Die technischen Hilfsmittel für Hörgeschädigte werden in Übersichten mit Vorschlägen zur Nutzung dargestellt.

Der folgende Textabschnitt greift die komplexen Zusammenhänge zwischen Hören und Sprache auf. Die Beschreibung von Wegen zur Kompensation rundet das Kapitel ab.

Der Teil 2 der Handreichung informiert über Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD) und die erforderliche Kooperation der Beteiligten. Auf je einer Seite werden die Aufgaben des MSD, Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs und eine Übersicht über das notwendige Netzwerk für Schüler mit einer Hörschädigung dargestellt.

Der Teil 3 erörtert die Bedingungen für gelingenden Gemeinsamen Unterricht  hörender und hörgeschädigter Schüler. Organisatorische Rahmenbedingungen werden ebenso beleuchtet wie ausführliche didaktische Maßnahmen. 

Im Teil 4 gibt es eine Zusammenstellung geeigneter Praxismaterialien. Mit je einer Aufgabe werden modifizierte Texte aus dem Deutsch- und Mathematikunterricht beispielgebend vorgestellt.

 

Der Anhang bietet exemplarisches Unterrichtsmaterial, um die Umsetzung der didaktischen Tipps zu verdeutlichen. Ein Glossar mit Kurzdefinitionen ermöglicht das Nachschlagen von Themen oder Begriffen. Das Material ist ansprechend, aber nicht zu umfassend gestaltet. 

Das farbige Layout und zahlreiche Abbildungen sollen zum Lesen motivieren und die Inhalte besser verständlich machen. Hervorhebungen, sowie eine Randspalte mit Schlagwörtern und Symbolen dienen dem besseren Überblick. Memos fassen die wichtigsten Empfehlungen eines Kapitels zusammen, weiterführende Literaturangaben weisen den Weg zu vertiefenden Darstellungen der genannten Themen.

Die sprachliche Aufbereitung der Thematik ist fachlich korrekt und sehr gut verständlich. Durch ein ansprechendes Layout und farbige Abbildungen können die komplizierten Zusammenhänge relativ schnell erfasst und vermittelt werden. Es bedarf allerdings schon einer gründlichen Auseinandersetzung und reflektierender Gespräche mit fachlich ausgebildeten Lehrkräften, die über eigene Erfahrungen im Umgang mit Hörgeschädigten verfügen.

Insgesamt wird in dieser Handreichung nicht nur die fachliche Seite der Hörschädigung, sondern auch die Zusammenarbeit von Lehrkräften der allgemeinen Schule mit Hörgeschädigtenpädagogen dargestellt. Konkrete Hinweise für die Gestaltung eines inklusiven Unterrichts sowie Praxisbeispiele und Arbeitshilfen unterstützen die Unterrichtsplanung. Viele praktische Hinweise bieten dem Lehrer Ansätze, seine Unterrichtsgestaltung zu überdenken

Hier wird deutlich, dass das Differenzieren des Unterrichts für Hörgeschädigte mit angemessenem  Aufwand und einer fachspezifischen Einarbeitung gut gelingen kann.

 

Empfehlung

Den Autorinnen ist mit dieser Handreichung nach umfassender Vorarbeit und gründlicher Evaluation (vgl. Schnecke online) auf den fachlichen Ebenen von Forschung und Lehre ein gut lesbares und praktisches Arbeitsmittel für den Unterricht von Schülern mit Hörschädigungen an allen Förderorten gelungen. Das Material eignet sich für Informationsveranstaltungen sowie Fortbildungen und kann als erste Einführung für Lehrer in der inklusiven Arbeit mit hörgeschädigten Schülern dienen.

Es wird deutlich, dass der Erfolg von Inklusion die Anstrengung  aller Beteiligten erfordert. Schulen in Bayern steht diese Broschüre kostenfrei zur Verfügung.

 

München, im Mai 2016

Angela Kühmel

 

 

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