Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Und jetzt? Unser Kind ist gehörlos

Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern mit gehörlosem Kind

 

von Carla Vogel

Titelbild des Buches

135 Seiten

mit DVD Krise ein verborgener Reichtum

 

ISBN 3-9810709-2-5

 

21,50 €  zzgl. Versandkosten

 

Verlag Karin Kestner

Hufgarten 4b

34302 Guxhagen

 

 

Inhalt und Beurteilung

 

Carla Vogel möchte Eltern gehörloser Kinder ihren eigenen Weg zur Verarbeitung der persönlichen Krise eröffnen, die mit der Diagnose „Gehörlos“ verbunden sein kann.

 

Das Interaktionsmodell von Christa Schuchardt erlebt die Autorin als praktisch sehr wertvoll und empfiehlt es als Grundlage für die pädagogische Lehre und Praxis , sowie für die Beratung und Begleitung betroffener Menschen. Carla Vogel hinterfragt die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung hörgeschädigter Kinder.
Sie zweifelt die Methoden der Beratung befragter Frühförderstellen an, da sie die Rolle des Beraters nicht darin sieht, den „suchenden Eltern vorgegebene Wege aufzuzeigen und sie einseitig zu beraten“.

 

Mit Hilfe des Krisenverarbeitungsmodells von Christa Schuchardt sollen Eltern gehörloser Kinder eine sie selbst stärkende Krisenverarbeitungsberatung erhalten.Die Gegenüberstellung  von sozialer Integration oder sozialer Isolation als mögliches Ergebnis eines gelungenen oder misslungenen Krisenverarbeitungsprozesses lassen die Dimensionen des Problemfeldes erahnen. Es zeigt sich, dass Eltern gehörloser Kinder eine offene Beratung durch gut vernetzte und richtig informierte Fachleute benötigen. Mehr noch brauchen sie aber die Akzeptanz und Unterstützung des gesellschaftlichen Umfeldes, wenn Leben unter komplizierten Bedingungen gelingen soll (Frühförderung, Integration und Beruf).

 

In den Interviews wird der Krisenverarbeitungsprozess am Einzelfall sehr gut nachvollziehbar. Die verschiedenen Beispiele zeigen dem Leser, dass die Beratung durch Fachleute als nicht verlässlich und unterstützend erlebt wurde. Die Diagnostik erfolgte häufig sehr zögerlich und Eltern wurden zu wenig unterstützt. In der Tendenz des Textes erscheinen das CI und die hörgerichtete Methode der Frühförderung als sehr knapp dargestellt. Die Autorin stellt die erfragten Mängel in der Beratung und das Belastungserleben des CI sehr deutlich dar.

 

Das Buch ist als interessanter Beitrag zur Aus- und Weiterbildung der verschiedenen Fachbereiche zu sehen und könnte auch eine gute Diskussionsgrundlage für gemeinsames förderliches Zusammenarbeiten sein.

 

Für betroffene Eltern erscheint der wissenschaftliche Ansatz als begleitende Information aber nicht als Erstlektüre zu empfehlen zu sein. Dies kann  kein Ersatz für eine fachlich fundierte und wirklich offene Beratung sein.

 

Gotha, 16. November 2006
Angela Kühmel

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