Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Ben und Michelle – Stress im Netz?!

Eine Geschichte zum Mitentscheiden

Persen – Verlag

ISBN 978-3-403-23282-7

 

Lektüre 8,95 €

Arbeitsblätter zur Überprüfung des Textverständnisses (Download) 7,- €

 

 

Zum Inhalt:

Das Buch erzählt die Geschichte der Jugendlichen Ben und Michelle, die sich in einem virtuellen Chatroom kennenlernen.

Michelle, ein eher unscheinbares Mädchen meldet sich auf Drängen einer Freundin in einem virtuellen Chatroom und bei Facebook an. Sie bekommt sehr schnell Chatkontakt zu zwei Jungen, einer davon ist Ben. Während sich zwischen Ben und ihr zunächst eine freundschaftliche, sympathische Online-Brieffreundschaft aufbaut, zeigt der andere Junge, Taifun, schnell ein eindeutiges Interesse an ihr. Michelle fühlt sich geschmeichelt  und möchte Taifun gerne richtig kennenlernen. Als er ihr kurz vor dem verabredeten Treffen schreibt, dass er ein wenig älter ist, als ursprünglich angegeben, teilt sich die Geschichte in zwei Handlungswege. Der Leser/ die Leserin kann entscheiden, was Michelle tun wird und liest an entsprechend unterschiedlicher Stelle weiter.

Der eine Verlauf führt zu einem Treffen zwischen Michelle und Taifun, bei dem er sich als noch älter herausstellt und bei dem es zum Geschlechtsverkehr kommt. Danach meldet er sich nicht mehr bei ihr. Schließlich kommen Polizisten zu Michelle nach Hause. Sie erfährt, dass es sich bei Taifun um einen schon lange gesuchten Pädophilen handelt. Michelle erkennt die Gefahren des Internets und vertraut nun niemandem mehr. So bricht sie auch den Kontakt zu Ben ab.

Entscheidet sich der Leser/ die Leserin für den anderen Handlungsverlauf, erfährt er, dass Michelle sich nicht mit Taifun trifft, da sie ihm wegen seiner falschen Altersangabe nicht mehr traut. Taifun reagiert zunächst unverständig, dann wütend, doch Michelle geht auf seine Nachrichten nicht weiter ein. Daraufhin wird Michelle Opfer von Cybermobbing, ausgelöst durch Taifun, der gefälschte Bilder von ihr ins Internet stellt. Mit Hilfe von Ben gelingt es Michelle schließlich, sich dagegen zu wehren.

Parallel zu Michelles Geschichte wird Bens Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Beide Erzählungen treffen an den Stellen, an denen Ben und Michelle Kontakt zueinander haben zusammen.

Ben ist unglücklich darüber, dass sein bester Freund seit er einen Computer hat, nur noch mit einem Online-Spiel beschäftigt ist und keine Zeit mehr für gemeinsame Unternehmungen hat. Aus Langeweile meldet er sich im Chatroom an und trifft dort auf Michelle. Er findet sie sehr sympathisch und genießt den schriftlichen Austausch mit ihr. Als Michelle sich aber weniger meldet und auch keine Zeit für ein Treffen hat, lässt er sich von seinem Freund das Online-Spiel auch einmal zeigen. Ben gerät in den Bann des Spiels und vernachlässigt zunehmend Familie, Freunde und Schule. Seine Eltern versuchen, dies zu unterbinden, kommen aber gegen Bens zunehmende Spielsucht kaum an. Als der Vater Ben den Computer wegnehmen will, hat auch hier der Leser/die Leserin wieder die Möglichkeit zu entscheiden, wie die Geschichte weitergehen soll.

Eine Variante ist, dass Ben sich körperlich massiv gegen seinen Vater zur Wehr setzt, den Computer zurückholt und sich dann vollständig in der Online-Spielwelt verliert.

Der andere Handlungsverlauf beschreibt, wie Ben durch das vehemente Eingreifen seiner Eltern begreift, dass er mittlerweile spielsüchtig ist und sich was ändern muss. Er erinnert sich an den Kontakt zu Michelle, trifft sie und hilft ihr, sich gegen das Cyber-Mobbing zu wehren.

Zum Aufbau:

Die Geschichte von Ben und Michelle verfolgt ein interessantes Konzept. Es werden zwei unterschiedliche Lebensgeschichten erzählt (jeweils beginnend von vorne, bzw. von hinten des Buches), die mit Hilfe des Internets immer wieder aufeinander treffen. Man kann beide Geschichten unabhängig voneinander lesen, sie aber auch miteinander kombinieren. Dadurch ergeben  sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Unterricht. So kann man zum Beispiel von Michelle lesen und dann im Wechsel erfahren, was Ben gleichzeitig erlebt. Oder man teilt die Klasse in zwei Gruppen und jede Gruppe liest nur eine der beiden Geschichten.

Durch die Möglichkeit, für Michelle und Ben entscheiden zu können, wird das Buch und seine Einsatzmöglichkeiten noch vielschichtiger, da sich auf diese Weise vier verschiedene Erzählungen finden.

Das Buch ist in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben. Die Erzählzeit ist das Präteritum. Teilweise verläuft die Handlung sehr schnell. Dies geht zu Lasten der Erzähltiefe. Der Leser/die Leserin erhält relativ wenig Einblick in die Gefühle der Hauptpersonen, bzw. es bleibt wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Die Sätze sind kurz und erstrecken sich maximal über drei Zeilen. Oft fällt das Satzende mit dem Zeilenende zusammen. Die Strukturierung durch häufige Absätze erleichtert die Sinnerfassung zusätzlich.

Das Schriftbild ist dank großem Zeilenabstand und Flattersatz gut erfassbar. Eine Zeilenzählung hilft bei der Arbeit am Text.

Das Begleitmaterial, das vom Verlag zum kostenpflichtigen Download bereitgestellt wird, umfasst 12 Arbeitsblätter. Es bietet verschiedene Aufgaben zur konkreten Arbeit am Text. Darüber hinaus gibt es Vorschläge zu Rollenspielen oder Pro-Contra-Abwägungen, durch die die Schüler dazu angeleitet werden, sich selbst in die Lage von Ben und Michelle hineinzuversetzen.

Fazit:

Das Buch beinhaltet so wichtige Themen wie soziale Netzwerke, Cybermobbing und Onlinesucht. Es zeigt die Gefahren, die vom Internet ausgehen durch die Negativerlebnisse von Michelle und Ben sehr deutlich. Es bleibt dabei aber nicht einseitig. Die entstandene Freundschaft zwischen Ben und Michelle zeigt auch den positiven Aspekt des Internets und der Kommunikation, die sich dadurch ergibt, sofern man verantwortungsvoll damit umgeht und sich nicht ausschließlich darauf beschränkt.

 

 

München, im Mai 2016

Ulrike Schmid

 

 

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