Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Titelbild des Buches

Das Mädchen, das aus der Stille kam

Roman von Fiona Bollag

 

Verlag: Bastei Lübbe, 3. Auflage 2010

 

ISBN 978-3-404-61640-4

Die Autorin und ihre Ko Autoren, Peter Hummel, ein Schweizer Zeitschriftenredakteur und Angela Kuepper, eine in München lebende Schriftstellerin, schildern auf insgesamt 223 Seiten entscheidende Momente im Leben der jungen hörgeschädigten Fiona Bollag von der Zeit  vor ihrer Geburt bis nach ihrer zweiten CI Operation. Insgesamt ein Zeitraum von mehr als 20 Jahren. 

Das Buch gliedert sich in insgesamt 8 Kapitel und einem ergänzenden  Anhang, in dem 65 Fragen zum Thema Hören, Gehörlosigkeit, CI …. aus subjektiver, nicht wissenschaftlicher Sicht beantwortet werden.  

Die gut ersten 30 Seiten des Buches befassen sich mit Fionas Eltern. Sie lernen sich kennen, heiraten, bekommen zwei Kinder, wünschen sich ein 3. Kind …  Interessanterweise wird dies alles in der Ich Form wiedergegeben, als ob die Autorin selbst dabei gewesen wäre. 

Ab der Seite 189 werden die 65 Fragen beantwortet, sodass die  „eigentliche" Geschichte des Mädchens, das aus der Stille kam,  ca. 150 Seiten umfasst.

 

Die Geschichte der Fiona Bollag, einem stark hörgeschädigten Schweizer Mädchen aus gutbürgerlichem Haus ist flüssig und gut verständlich geschrieben.

Das Buch beschreibt die Lebenssituation eines Kindes, eines Teenagers, dass als stark hörgeschädigtes Kind in einer „hörenden“ Familie aufwächst.

Fiona bekommt Hörgeräte, sie wird von Frau Schmid-Giovannini, einer Gehörlosenlehrerin der Schweiz, lautsprachgerichtet ausgebildet. Sie lernt das Lippenlesen und lernt sich durch deutliche Artikulation mit der Umwelt zu verständigen. Fiona lernt in ihrem Schulleben Hochdeutsch zu sprechen und zu verstehen, ebenso erlernt sie auch Englisch.

Sie erlebt sich allerdings immer als jemand, der  von ihrer Umwelt nicht akzeptiert wird und bezieht dies auf ihre Hörbehinderung. Allein bei ihrer in der ganzen Welt verstreuten Familie fühlt sie sich angenommen und verstanden.

Mit 16 Jahren bekommt Fiona ihr erstes Cochlea-Implantat. Sie lernt zu hören. Mit 22 Jahren bekommt sie das 2. CI und versucht nun, auch über das jetzt mögliche Richtungshören, immer mehr in die Welt des Hörens einzudringen.

Fiona Bollag schreibt auf Seite 169 des Buches:

„Das Cochlea-Implantat erweitert meine Grenzen. Ich hörte über das Ohr, hörte meinen Atem und meine Stimme. Meine Grenzen wurden weiter, ich wurde freier. Doch Grenzen gab es noch immer: Ich war keine Hörende.“

 

Das Buch spiegelt in einer persönlichen, daher aber auch eingeengten Sichtweise das Empfinden, die Erwartungen, Ängste und Freuden eines hörgeschädigten Menschen wider.

 

Berlin, April 2014

Dieter Reitemeyer

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