Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Die DDDR (Die gehörlose / deaf Deutsche Demokratische Republik)


Video-DVD (2012)
Regie: Marco Lipski          Produzenten: Christina und Uwe Schönfeld
Hg. Zentrum für Kultur und Visuelle Kommunikation (ZFK)
120 min
Sprache: DGS ohne Untertitel

Bestellbar über: www.zfk-shop.de
Privatlizenz: 20 €
Pädagogenlizenz (an Schulen für Hörgeschädigte): 39 €


 

Die DDDR (deaf-DDR) ist eine Dokumentation, die anlässlich der 5. Kulturtage der Gehörlosen in Erfurt produziert wurde und laut Cover ein Stück Gehörlosengeschichte – die der gehörlosen Bürger der DDR – bezeugen soll.


In der zweistündigen Zusammenstellung äußert sich eine Vielzahl gehörloser und hörender  Zeitzeugen (Kinder gehörloser Eltern) in Deutscher Gebärdensprache zu den verschiedensten Aspekten des Alltagslebens in der DDR in der Zeit zwischen Mauerbau und Mauerfall. Die jeweiligen Themen werden als Kurztitel eingeblendet, meist mit einem passenden Foto aus dem Internet (vor allem aus Wikipedia) als Illustration. Zwischendurch gibt es immer wieder sehr kurze Filmszenen aus dem offiziellen DDR-Fernsehen oder Privataufnahmen. Die DVD enthält keine Untertitel, ist also nur für Menschen mit einer guten Gebärdensprachkompetenz geeignet.


Entstanden ist ein Mosaik von individuellen Erlebnissen und Wahrnehmungen aus dem Leben Gehörloser in der DDR, das sich von dem Hörender anscheinend kaum unterschieden hat. Die behandelten Themen sind vor allem die, die man allgemein mit der DDR in Verbindung bringt: Kinder- und Jugendorganisationen, Repressionen im Schulkontext, Trabi-Geschichten, 1. Mai, FKK, unbefriedigte Konsumbedürfnisse, billige Wohnungsmieten, die Stasi, Mauerbau und Mauerfall… Außergewöhnliche Informationen über Dinge, die nur die Gehörlosengemeinschaft betroffen haben, findet man wenig: Ausnahme ist z.B. der „Heiratsmarkt“ im Saalbau in Ost-Berlin. Die Themen sind relativ wahllos aneinandergereiht – Wichtiges neben Unwichtigem: Erste Erlebnisse mit der Kiwi-Frucht stehen gleichberechtigt neben dem Thema Stasi. Aufgrund der Vielzahl der Themen bleiben die meisten Aussagen sehr oberflächlich.



In der Dokumentation wird erstmals die Zielgruppe Gehörloser zu diesem Thema in ihrer eigenen Sprache angesprochen. Was die DVD nicht bietet, sind reflektierte  Aussagen zum Schulbildungssystem, zu den Berufswahl- und Studienmöglichkeiten sowie der kulturellen Identität Gehörloser in der DDR.


Zum Einsatz im Unterricht:
Die DVD kann im Geschichts- oder Gehörlosenkundeunterricht für gebärdensprachkompetente Schüler/innen eingesetzt werden. Die Dokumentation ist ein ungegliedertes Zeitdokument individueller Sichtweisen und ersetzt nicht die strukturierte Auseinandersetzung mit der Diktatur in der DDR.
Günstig ist es, nur einzelne Themen auszuwählen. Leider besitzt die 2-stündige DVD weder eine Kapiteleinteilung noch eine Inhaltsübersicht, sodass das Navigieren etwas umständlich ist.


Hamburg, im November 2013
Kathleen Wengler


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