Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Die Oster-Geschichte in einfacher Sprache

 

 

Lebenshilfe Bremen

Die Oster-Geschichte in einfacher Sprache

Mit Hör-Buch und Gebärden-Video

57 Seiten, 1. Auflage 2014

  

€ 17,–

ISBN 978-3-9816418-0-6

www.lebenshilfe-bremen.de/buero-fuer-leichte-sprache.html

 

 

 

 

Das Buch Die Oster-Geschichte erzählt diese angefangen bei den Ereignissen auf dem Ölberg über den Verrat des Judas bis zur Auferstehung. Jede Seite enthält in der Regel zwei klar gezeichnete farbige Bilder und einen Text in Leichter Sprache. Dabei werden alle Regeln hierfür befolgt.

Das dazu erstellte Hörbuch ist auf der mitgelieferten CD enthalten. Es dauert ca. eine halbe Stunde. Während die Eingangsmusik auf mich langweilig wirkt, empfinde ich das Vorlesetempo als angemessen. Die gesprochene Sprache ist deutlich und gut verständlich. Das Vorlesen wird unterbrochen durch ein Lied, das im Buch abgedruckt ist, aber nicht gebärdet wird. Leider ist das Hörbuch nicht in Kapitel eingeteilt und man muss durch Probieren herausfinden, wann welcher Abschnitt beginnt. Das ist für einen Einsatz im Unterricht, in dem man sicher nicht die ganze Geschichte in einer Unterrichtsstunde anhören lässt, erschwerend.

Zusätzlich enthält die CD einen Link zu einer html-Datei. Hier sind sowohl Hörbuch, Gebärdenvideo als auch das geschriebene Buch zugänglich. Die Datei mit der geschriebenen Version entspricht der des Buches. Dabei kann man die Bilder anklicken und so ihre Größe verändern. Dadurch haben auch Menschen mit zusätzlichen Sehbeeinträchtigungen Zugang zu der Version in geschriebenem Deutsch.

Die Gebärden(sprach)version wird vom gehörlosen Diakon Joseph Rothkopf gebärdet. Da für die Deutsche Gebärdensprache noch keine Kriterien für Leichte Sprache entwickelt wurden, muss die Stellungnahme hier auf selbst gesetzte Maßstäbe zurückgreifen. Weil kaum Mimik verwendet und in einem gleichmäßigen Tempo gebärdet wird, wirkt die Darbietung sehr monoton. Es wird auch nicht auf Mittel zurückgegriffen, wie sie z. B. für International Signs verabredet wurden, bei der ikonische Gebärdenzeichen dominieren, der syntaktische Raum genutzt wird und nicht-manuelle Merkmale wie Mimik, Rollenwechsel und Constructed Action (einfach gesagt: eine Rolle übernehmen und darin etwas spielen) verstärkt eingesetzt werden. Auch wird die Regel, dass in DGS-Sätzen das Verb am Ende steht, nicht immer befolgt. Deshalb ist das Label Mit Hör-Buch und Gebärden-Video wohl zutreffend, denn es handelt sich eher um Lautsprachbegleitendes Gebärden. Dies ist aber keineswegs leichter zu verstehen als DGS. Auch sind für mich – ohne Untertitel – die Gebärdenzeichen und -sätze nicht immer beim ersten Anschauen verständlich. Das liegt auch daran, dass kein ausgeprägtes Mundbild benutzt und der syntaktische Raum z. T. falsch verwendet wird.

 

Von der Idee her ist dieses Medienpaket in vielerlei Hinsicht barrierefrei und könnte auch im gemeinsamen Unterricht verwendet werden. Schüler/innen mit geringer Gebärdensprachkompetenz haben gegebenenfalls Schwierigkeiten, das Video ohne Hilfe zu verstehen.  

Es stellt sich die Frage, ob die vorgelesene Form der Leichten Sprache für die angesprochene Klientel tatsächlich erleichternd ist.

 

München, im Mai 2016

Dr. Renate Poppendieker

 

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