Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Faust. Der Tragödie erster Teil

Titelbild des Buches

 

Eine Graphic Novel frei nach J.W. von Goethe

Texter und Zeichner: Flix (Felix Görmann)

96 Seiten

 

 

Carlsen Verlag, April 2010

ISBN: 978-3-551-78977-8

€ 14,90

„Heinrich Faust [...], ein angesehener Forscher und Lehrer zu Beginn der Neuzeit, zieht eine selbstkritische Lebensbilanz und kommt zu einem doppelt niederschmetternden Fazit: Als Wissenschaftler fehle es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren Ergebnissen und als Mensch sei er unfähig, das Leben in seiner Fülle zu genießen. Tief deprimiert und lebensmüde geworden, verspricht er dem Teufel Mephisto seine Seele, wenn es diesem gelingen sollte, Faust von seiner Unzufriedenheit und Ruhelosigkeit zu befreien. Mephisto schließt mit Faust einen Pakt in Form einer Wette, verwandelt ihn zurück in einen jungen Mann, nimmt ihn mit auf eine Reise durch die Welt und hilft ihm, die Liebschaft mit der jungen Margarete (Gretchen) einzufädeln. Als diese dann ein uneheliches Kind zur Welt bringt, tötet sie es, aus Verzweiflung halb wahnsinnig geworden, und wird verhaftet. Faust, der sie mit des Teufels Hilfe vor der Hinrichtung retten will und vergeblich versucht, sie zur Flucht zu überreden, muss sie schließlich ihrem Schicksal und der Gnade Gottes überlassen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Faust._Eine_Tragödie, 3. April 2013)

 

In der Graphic Novel von Flix wird die Handlung in das heutige Berlin verlegt. Der Prolog im Himmel umfasst Äußerungen auf einem Computerbildschirm. Die himmlischen Wesen (Gott, Allah, Mephisto, Engel, Gehilfen) bedienen sich moderner Geräte wie Computer, Handy und Spiegelteleskop. Die Handlung orientiert sich grob an der Goethe’schen Tragödie. Mit den Personen, ihrer Geschichte, ihrem Hintergrund geht Flix frei um. So ist Wagner nicht der Schüler von Faust, sondern ein ehemaliger Kommilitone und sein Nachbar. Margarethe ist Tochter türkischstämmiger Eltern. Sie erwartet kein Kind, sondern kommt ins Gefängnis, weil Mephisto ihr den Tod ihrer Mutter in die Schuhe schiebt. Am Schluss befreit er sie daraus. Zunächst scheint es zu einem Happy End zu kommen. Aber hier greift Gott als Deus ex machina in die Handlung ein und befördert das Paar ins Jenseits. Mephisto beschwert sich, dass er die Regeln ihrer Wette nicht eingehalten habe.

 

Der Comic ist graphisch ansprechend gestaltet und voll mit witzigen Anspielungen auf literarische Figuren, gegenwärtige Personen oder aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. Eine parallele Lektüre zur Goethe’schen Tragödie ist nicht vorstellbar. In einem Oberstufenkurs wäre die Behandlung zeitlich nach der Lektüre des Originals mit lesestarken Hörgeschädigten denkbar. Eine Lektüre ohne die Vorlage zu kennen wäre wohl möglich, obwohl dann vieles von dem Witz dieser Graphic Novel nicht richtig wertgeschätzt werden könnte.

 

Heidelberg, im April 2013

Dr. Renate Poppendieker

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