Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Titelbild des Buches

Flüsternde Hände

Jugendbuch von Sherryl Jordan

 

Taschenbuch

Carlsen Verlag, März 2014

 

ISBN 978-3-551-31287-7

Preis: 8,99 €

Die Autorin, gebürtige Neuseeländerin, hat mehrere Jahre mit gehörlosen Kindern gearbeitet und hat diese Erfahrungen in ihr Jugendbuch eingearbeitet. Offenbar hat die Autorin Gebärdensprachkenntnisse, denn sie hat sich „… durch Handzeichen mit ihnen verständigt.“  Hinzu kommt, so die Autorin, dass sie in dem Buch Gefühle beschreibt, die sie selbst mit diesen Kindern erlebt habe.      

 

Das Buch erzählt auf 379 Seiten, die sich auf 32 Kapitel verteilen, die Geschichte einer jungen Frau, Marnie, die irgendwann im Mittelalter in England lebt. Die junge Frau heiratet den deutlich älteren Lord Isak und zieht mit ihrem Gemahl in ein altes, verfallenes, geheimnisvolles Haus in einem Dorf an der Küste Englands. In diesem Dorf wohnt ein junger, dunkelhaariger Mann, den alle für verrückt halten. Nur der Dorfpfarrer hat einen Kontakt zu diesem „ Verrückten“ entwickelt. Nach dem plötzlichen Unfalltod des Ehemannes, kommen sich der verrückte Mann, Raven, und Marnie näher. Allerdings ist Raven gar nicht verrückt. Er ist taub. Marnie erlernt Handzeichen und Raven lernt einfache Wörter zu sprechen. Man kann sich vorstellen, was zum Ende des Buches passiert ...

 

Dieses Buch, ein Jugendbuch, findet sicherlich bei Freunden und Freundinnen historischer Liebesgeschichten eine große Resonanz.

Allerdings halte ich das Buch als Einstiegsliteratur für Nichtbetroffene, die sich erstmals mit dem Bereich der Hörschädigung auseinandersetzen wollen, für nicht geeignet. Es setzt sich nur mit einem sehr kleinen Bereich der Hörschädigung auseinander und dieser kleine Bereich ist meiner Meinung nach nur emotionales Beiwerk einer gängigen Liebesgeschichte.

 

Die Darstellung der Hörschädigung, der Umgang der Menschen mit Hörschädigung, sowie auch Lösungen der handelnden Personen dieses Romans sind von der Autorin so beschrieben, dass sie hörgeschädigten Menschen bei ihrer Selbstfindung und ihrer Auseinandersetzung mit der eigenen Hörschädigung nicht helfen können. Als Literatur für den Unterricht mit Schülern und Schülerinnen mit Hörschädigung halte ich dieses Jugendbuch deshalb ebenfalls für nicht geeignet.

 

Sprachlich bewegt sich das Buch auf einem Niveau, sodass hörgeschädigte Schüler und Schülerinnen im Alter von mindestens 15 und mit guten Schriftsprachkenntnissen dieses Buch lesen könnten.

Mit Ausnahme der Kapiteleinteilung bietet dieses Buch keine Strukturierungshilfen.

 

Berlin, im April 2014

Dieter Reitemeyer

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