Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Frühlings Erwachen


Titelbild des Heftes

 

 

Ein Leseprojekt nach der Kindertragödie von Frank Wedekind
für die Schule bearbeitet von Stefan Rogal

 

aus der Reihe: ... einfach klassisch

 

Schülerheft, kartoniert: 88 Seiten

Preis: 2,90 €

 

Verlag: Cornelsen

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-464-60958-3

 

 

Das Konzept der Reihe ... einfach lesen  ... weiterlesen

Das Schauspiel entstand 1891 und  greift das Schicksal dreier Jugendlicher auf. Die 14-jährige Wendla Bergmann möchte von ihrer Mutter aufgeklärt werden, enthält aber nur eine sehr ausweichende Antwort. Wendla wird von ihrem Schulkameraden Melchior Gabor schwanger und stirbt an einer von ihrer Mutter veranlassten Abtreibung.

 

Melchiors Mutter, Frau Gabor, folgt liberaleren Erziehungsvorstellungen und nimmt ihren Sohn in Schutz, als dieser von der Schule verwiesen werden soll, weil er für seinen extrem schüchternen Mitschüler Moritz ein Schrift mit dem Titel „Der Beischlaf“ verfasst hatte. Moritz wird von dieser Schrift aber noch mehr verstört und außerdem quälen ihn Ängste, den Ansprüchen seines Vaters nicht gerecht zu werden. Weil er befürchtet, das Klassenziel nicht zu erreichen, nimmt er sich das Leben.

 

Die Toleranz von Melchiors Eltern endet nach diesem Ereignis. Da sie außerdem entdecken, dass Melchior Wendla tatsächlich verführt hat, muss der Sohn nun in eine Erziehungsanstalt. In der letzten Szene begegnen sich der aus der Anstalt geflohene Melchior und der tote Moritz, der seinen Kopf unter dem Arm hält, an Wendlas Grab. Melchior verzweifelt. Da erscheint eine Symbolgestalt für das unzerstörbare Leben - der vermummte Herr - und verhindert Melchiors Selbstmord. Er zieht ihn von den Gräbern fort.

 

Das Heft hat ausklappbare Umschlagseiten mit einer Aufstellung der handelnden Personen, die somit beim Lesen ständig präsent sein kann. Das Heft enthält im hinteren Umschlag die Szenenfolge des Schauspieles. Beides trägt dazu bei, dass der Leser nicht die Übersicht über den Text verliert und vorzeitig aufgibt. Als Einführung dient eine kurze Beschreibung der Entstehung und Aufführungspraxis des Stückes. Der Verweis auf die Probleme Gleichaltriger vor über hundert Jahren im Bezug auf die Pubertät kann zur Lesemotivation genutzt werden.

 

Trotz dieser Erleichterungen bleibt die bearbeitete Novelle ein anspruchsvoller Klassiker. Das Stück ist bei hörgeschädigten Schülern, die einen Mittleren Schulabschluss anstreben bzw. Schülern der Sekundarstufe II einsetzbar, wenn diese auch ein gutes Sprach- und Leseverständnis besitzen. Die meisten Schüler benötigen zum Verständnis zusätzliche Wörterlisten bzw. ein deutsch-deutsches Wörterbuch. Viele komplizierte Satzkonstruktionen und heute ungebräuchliche Verwendung von Wortbedeutungen und Sprachstrukturen verlangen vom jugendlichen Leser eine hohe Kompetenz ab. Es ist vorstellbar, diese Lektüre der gesamten Lerngruppe anzubieten oder sie im Rahmen der Differenzierung zu verwenden.

 

Die erschütternde Darstellung der Lebenswelt der Protagonisten des Stückes  unterstützt die Lesemotivation sehr. Zusätzlich in Fußnoten eingefügte Worterklärungen, sachbezogene Infoblöcke und produktive Aufgabenstellungen am Ende von jeder Szene fördern das Leseverständnis und das gedankliche Durchdringen des Textes. Aufgelockert wird das Leseerleben durch einige, zum Inhalt passende Zeichnungen und Szenenfotos verschiedener Theateraufführungen. Viele Schüler werden sich die Lektüre zwar nur mühevoll erarbeiten können, haben damit aber eine gute Grundlage, sich in die handelnden Personen hineinzuversetzen und sich eine Meinung zu den im Text verhandelten Problemen zu bilden.

 

Zu dem vorliegenden bearbeiteten Schauspiel bietet der Cornelsen-Verlag hilfreiches didaktisches Material zum Download auf seiner Internetseite an.

 

Hamburg, im November 2013

Angela Kühmel

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