Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Das Gebärdenbuch

von Birgit Jacobsen

Titelbild des Buches

ISBN 3-9809004-2-8
23,50 €

 

zu beziehen über:

 

http://www.gebaerden.de

Das Gebärdenbuch entstand aus der Arbeit mit Menschen mit Hörbehinderung in einer entsprechenden Werkstatt für behinderte Menschen. Die jetzige Form des Gebärdenbuches richtet sich vor allem an Einrichtungen der Frühförderung, an Schulen, an Werkstätten für Behinderte sowie an Gebärdensprachanfänger. Die Autorin verweist darauf, dass die Gebärdensprache nicht einheitlich ist und man mit einer Vielzahl von Dialekten konfrontiert wird. Von daher gibt es nicht richtige oder falsche Gebärden, wichtig ist immer nach Möglichkeiten der Verständigung zu suchen. Ebenso verweist sie darauf, dass das Gebärdenbuch einen Gebärdensprachkurs nicht erstzen kann. Nach der Durcharbeit des Buches sollte es möglich sein, sich in einfachen Gebärden zu unterhalten.

In zukünftigen Veröffentlichungen wird die Autorin dann auf Spezialgebärden, Grammatik, Kultur der Menschen mit Hörschädigung usw. eingehen.

Zum Buchinhalt
Neben dem Gebärdenteil gehört zum Buch ein mehrseitiger Verhaltensvorschlag für den Umgang mit schwerhörigen und gehörlosen Menschen. Dies kann vor allem beim Erstkontakt mit erwachsenen oder jugendlichen Hörgeschädigten sehr hilfreich sein. Ein weiterer Teil des Buches befasst sich mit einer Gebärdenschrift nach Valerie Sutton, die Stefan Wöhrmann bei hörgeschädigten Kindern einsetzt. Diese Gebärdenschrift ist nach Auskunft der Autorin leicht zu erlernen. Nähere Informationen findet man dazu im Internet unter http://www.gebaerdenschrift.de. Die Gebärdenschrift wird begleitet durch das normale Schriftbild, einer symbolhaften Beschreibung des Mundbildes und einer Zeichnung die jeweilige Gebärde. Zu den Gebärden gibt es noch die jeweiligen Bewegungspfeile, die Auskunft über die entsprechende Ausführung der Gebärde geben. Ein dritter Teil des Buches befasst sich mit den Zeichen des Fingeralphabets. Die Buchstaben werden hier in Verbindung mit einer symbolhaften Beschreibung des Mundbildes gezeigt. Der vierte und Hauptteil beschäfigt sich thematisch gegliedert mit den Gebärden. Im fünften Teil findet sich das alphabetische Wörterverzeichnis. Im sechsten Teil gibt es dann noch eine Übersicht der symbolisierten Mundbilder in Verbindung mit der Gebärdenschrift.

Zum Hauptteil des Buches: Die Gebärden
In insgesamt 17 Kapiteln werden verschiedene Gebärden aus unterschiedlichen Bereichen angeboten. Kapiteüberschriften sind z.B.:
Bei der Arbeit muss ich ...
Nach der Arbeit mag ich am liebsten ...
Menschen, denen ich begegne:
Essen und Trinken
Meine Lieblingstiere sind:

Hier wird versucht, zu den einzelnen Schwerpunkten einen Gebärdengrundwortschatz anzubieten, der es dann ermöglichen soll, sich thematisch auszutauschen. Bei der Auswahl der Kapitel und der entsprechenden Gebärdenauswahl wird deutlich, dass die Ursprünge des Buches in einer Werkstatt für behinderte Menschen liegen, da Inhalte und Begriffe aus diesem Bereich sich in einem nicht kleinen Teil der Gebärden wiederspiegeln. Es unterscheiden sich einige Gebärden von den im süddeutschen Raum eher üblichen Gebärdenzeichen. Da gerade Sprachanfänger sehr nahe am Arbeits- und Übungsmaterial hängen, wird hier deutlich, dass ein Austausch mit Hörgeschädigten bzw. der Besuch eines Gebärdenkurses durch nichts zu ersetzen ist.

Die klaren Fotos von Nicole Hofer, dem gehörlosen Gebärdenfotomodell, verbunden mit den den Inhalt erklärenden Zeichnungen finde ich gelungen, was sich vor allem in meiner Arbeit im Frühförderbereich bei Hörgeschädigten gezeigt hat. In diesem frühen Bereich spielt Schrift noch keine Rolle. Auch die Gebärdenschrift hat sich bei meiner Arbeit mit dem Buch als nicht sonderlich nützlich, allerdings auch nicht als störend erwiesen. Interessanterweise war allerdings das symbolische Mundbild für die Frühförderkinder von größerer Wichtigkeit. Für die Arbeit im Frühförderbereich waren auch die Kapitelüberschriften wie Dann muss ich zur Arbeit fahren nicht unbedingt dem Förderklientel angemessen. Hier zeigt sich, wie oben schon erwähnt, der Ursprung des Buches in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Allerdings sind die entsprechenden Kapitelinhalte, wie z.B. Tür, Schlüssel, Auto, Bus, fahren, Straße durchaus auch für kleinere Kinder von Wichtigkeit.

Insgesamt wurde das Gebärdenbuch sowohl von den Eltern als auch von den Erzieherinnen in der Frühfördereinrichtung sehr gut angenommen. Es war ihnen eine Hilfe beim Erlernen der Gebärdensprache und war wichtige Voraussetzung für den Aufbau einer kommunikativen Struktur mit dem hörbehinderten Kind. Ein wichtiger Kritikpunkt an dem Buch ist meiner Meinung nach die schwierige Handhabung im praktischen Einsatz. Zum Beispiel fehlen im Kapitel Essen und Trinken die Gebärden für essen und trinken. Auch für kochen oder hungrig und satt finden sich die Gebärden an einer anderen Stelle im Buch. Die Gebärden für das Geschirr und das Besteck entdeckt man im Kapitel Mein Tag sieht so aus. Dies ist etwas verwirrend und sorgt für dauerndes Nachschlagen im Wörterverzeichnis.

Eigentlich müsste man das Buch mehrfach kaufen, die Gebärdenbilder ausschneiden und auf Karteikarten kleben. Die Karteikarten müssten man dann entsprechend sortieren und könnte dann die entsprechenden Themen besser abdecken, als es die jeweiligen Kapitel im Buch vermögen.

Abschließend muss ich feststellen, dass das Gebärdenbuch von Birgit Jacobsen aufgrund seiner klaren fotografischen Darstellung der Gebärdenzeichen, verbunden mit den guten inhaltserklärenden Zeichnungen und den sich auf bestimmte Themen begrenzenden Gebärdenzeichen, eine Veröffentlichung ist, die ich für die Arbeit im Frühförderbereich mit hörgeschädigten Kindern als auch für die Arbeit mit hörgeschädigten Menschen mit zusätzlicher Behinderung durchaus empfehlen kann. Als Einstieg zum Erlernen der Gebärdensprache ist es meiner Meinung nach nicht geeignet, da es die Gebärden zwar thematisch und lexikalisch zusammenfasst, es aber keine Übungskapitel anbietet, um den Umgang mit allen im Buch vorkommenden Gebärden zu festigen bzw. um tatsächlich gebärdlich-kommunikative Strukturen zu erlernen.

Nürnberg, im April 2005

Dieter Reitemeyer

Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule 
Am Trimmelter Hof 201
54296 Trier  
 

 

Zurück