Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Das Gebärdenbuch 2

von Birgit Jacobsen

Titelbild des Buches

ISBN 3-9809004-6-1

27,50 €

 

zu beziehen über:

 

http://www.gebaerden.de

Das Gebärdenbuch, Band 2, richtet sich hauptsächlich an junge Kinder und Kleinkinder und orientiert sich an deren Interessen und Lebensnotwendigkeiten. Der 2. Band ergänzt damit den 1. Band, der im Schwerpunkt das Leben und Arbeiten von Menschen mit geistiger Behinderung sowie den Bereich Wohnen und die Werkstatt für behinderte Menschen behandelte. Die Lebenswirklichkeit der älteren Kinder wird dann in den bisher noch nicht veröffentlichten Bänden 3 und 4. dargestellt. In Zukunft werden die 4 Bände des Gebärdenbuches um ein umfangreiches Nachschlagewerk im Sinne eines Gebärdenlexikon im Stil der Gebärdenbücher (mit Foto, Zeichnung, Mundbild und Gebärdenschrift) erweitert.

 

Zum Buchinhalt

 

Nachdem die Autorin zusammen mit einer Co-Autorin auf insgesamt 14 Seiten ausführlich Stellung nimmt zu Themen wie „Lippenlesen", „Bilingualer Unterricht", „Einsatz von Gebärdensprache", „Kontaktaufnahme mit Gehörlosen", „die Wichtigkeit der Gebärdenschrift" und der „Mundbildschrift", nachdem dann notwendigerweise der Aufbau des Gebärdenteils des Buches erklärt wird und das Fingeralphabet mit „Tieren und Mundschriftbild" vorgestellt wird, beginnt der Hauptteil des Buches. Hier werden dann in bewährter Weise (vgl. Bd. 1 des Gebärdenbuches) thematisch gebündelt die Gebärdenzeichen durch Foto, Schriftbild, Gebärdenschrift und Mundschriftbild dargestellt. Diese Informationen werden ergänzt durch eine den Inhalt darstellende Zeichnung. Zum besseren Auffinden einzelner Gebärden schließt sich dem Hauptteil ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis an. Im letzten Teil des Buches informiert Stefan Wöhrmann dann noch über die Gebärdenschrift und die Mundbilder in Gebärdenschrift (Mundschriftbilder).

 

Zum Hauptteil des Buches

 

In insgesamt 21 Unterkapiteln wird hier ein Gebärdenwortschatz aus der Lebenswirklichkeit kleinerer Kinder angeboten. Jeweils 3 Gebärden werden pro Buchseite vorgestellt. Der Aufbau der einzelnen Gebärdenseiten entspricht dem des ersten Bandes (Das Gebärdenbuch, Band 1). Es gibt die gut gemachten Gebärdenfotos mit den entsprechenden Bewegungspfeilen, es wird das Mundschriftbild und das entsprechende Gebärdenschriftzeichen mit dem dazugehörenden Mundbild angeboten. Ergänzt werden diese Informationen durch das Schriftbild der entsprechenden Gebärde und eine anschauliche Zeichnung.

 

Durchweg stellen die in den Kapiteln dargestellten Gebärden eine gute Auswahl zum jeweiligen Thema dar. Allerdings erschließt sich bei einigen Gebärden nicht unbedingt sofort der Bezug zur Lebenswirklichkeit kleinerer Kinder. Als Beispiele möchte ich hier die Begriffe „tolerant", „talentiert", “Espresso" und „Talkshow" anführen. Anzumerken ist auch, dass die innere Strukturierung der einzelnen Kapitel nicht immer logisch und durchdacht erscheint. So taucht der Inhalt „Nudeln" beim Thema „Mittags esse ich:" an erster Stelle auf, während der Inhalt „Pommes" erst zwei Seiten weiter erscheint und der Inhalt „Kartoffel" gar nicht erwähnt wird. Hier würde eine alphabetische Reihung der Gebärdeninhalte ein einfacheres Arbeiten mit dem Buch ermöglichen.

 

Die gelungenen Zeichnungen verdeutlichen den entsprechenden Inhalt und sind überwiegend eindeutig und reduziert auf den jeweiligen Inhalt. Es bleibt allerdings auch festzuhalten, dass es offenbar sehr schwierig ist Zeichnungen anzufertigen, die einen eher abstrakten Inhalt widerspiegeln sollen. Dies wird vor allem in dem Kapitel „Manchmal bin ich:" deutlich. So z.B. bei dem Wort „aufgeben". Hier werden Soldaten dargestellt, die mit weißer Fahne in der Hand offenbar den Kampf aufgeben.

 

Im Gebärdenbuch Band 2 gibt es einige gebärdensprachlich dargestellte Inhalte, die sich von den Darstellungen in anderen Veröffentlichungen unterscheiden (z.B.: Gebärdenlexikon, Maisch/Wisch). Dies mag mit regionalen Unterschieden, möglicherweise auch mit individuellen Besonderheiten der darstellenden Personen zu tun haben, ist aber beim Erlernen von Gebärden durchaus störend und gerade im Hinblick auf das Erlernen von Gebärden bei kleineren Kindern in ihrem entsprechenden regional-häuslichen Umfeld auch als durchaus hinderlich zu bezeichnen. Sinnvoll wäre es hier die vorhandenen regionalen Unterschiede mit einzuarbeiten und sich gegebenenfalls mit den Autoren und Verlagen von anderen Fachveröffentlichungen auseinander zu setzen.

 

Stellungnahme

 

Es bleibt festzuhalten, dass das Gebärdenbuch, Band 2 eine sinnvolle Ergänzung zum Gebärdenbuch, Band 1 ist. Beide Bände sind geeignet für den Bereich der Frühförderung und für den Einsatz im Bereich der Grundschule, auch ein Einsatz bei Kindern und Schülern mit Mehrfachbehinderung scheint sinnvoll. Die Darstellung und Umsetzung des im Gebärdenbuch Band 2 gewählten Schwerpunktes (die Lebenswirklichkeit von Kleinkindern) ist in den insgesamt 21 Kapiteln des Buches gut gelungen. Wohl wissend um die Schwierigkeiten bei Gebärdendarstellungen, der Auswahl der Inhalte und der Anfertigung der entsprechenden Zeichnungen möchte ich feststellen, dass es der Autorin gelungen ist, einige wesentliche Inhalte aus dem Lebensumfeld kleinerer Kinder darzustellen. Um wirklich sinnvoll und effektiv mit den nun schon 2 Gebärdenbüchern von Birgit Jacobsen im Bereich von Elternhaus, Kindergarten und Schule umzugehen, ich wiederhole hier meine Kritik aus der Besprechung des Gebärdenbuches, Band 1, müsste man die Bücher zerschneiden und die Gebärdenbilder entsprechend zu neuen Themen ordnen oder zu entsprechende Themen ergänzen. Die Autorin möge dies als Hinweis verstehen für eine Veröffentlichung von Übungsmaterial zu ihren ansonsten gut gelungenen Gebärdenbüchern.

 

Heidelberg, im April 2008

Dieter Reitemeyer

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