Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Helen lernt leben

Nach einem Text von Anne Marchon
ins Deutsche übertragen von Regine Schindler

Bilder: Colette Camil

 

Bilderbuch

Verlag Ernst Kaufmann, Lahr, 1982, 2002, 2010

 

ISBN: 978-3-7806-2597-7

€ 12,95

 

Altersempfehlung laut Verlag: 4 bis 8 Jahre 

 

 

Das Bilderbuch „Helen lernt leben“ schildert die Lebensgeschichte der taubblinden Helen Keller, die 1880 als Tochter wohlhabender Eltern geboren wurde. Im Alter von achtzehn Monaten erkrankte Helen an einer Hirnhautentzündung und verlor dadurch Augenlicht und Gehör. Das Mädchen hatte infolge keine Kommunikationsmöglichkeit zu ihrer Außenwelt und wurde zunehmend unglücklicher und gleichzeitig herausfordernder im Verhalten. Schließlich gelang es den Eltern, für ihre mittlerweile siebenjährige Tochter eine Lehrerin zu finden. Fortan wurde Helen von Margaret-Ann (Anne Sullivan) unterrichtet. Margaret-Ann gelang es, mit Helen in Kommunikation zu treten. Mit dem Erlernen eines Kommunikationssystems eröffnete sich für Helen eine neue Welt und sie entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Schülerin, die später sogar das College besuchte. Sie setzte sich für die Bedürfnisse von  Menschen mit Taubblindheit ein und trat mit ihren eigenen Erfahrungen an die Öffentlichkeit.

 

Die Geschichte Helen Kellers wird auf 23 bebilderten, nicht nummerierten Seiten in einfacher Sprache erzählt. Dabei erhalten die Leser nicht nur einen Einblick in die markanten Wendungen von Helens Lebensgeschichte. Immer wieder versucht das Buch, den Leser in Helens Gefühlswelt zu entführen und Blindheit sowie Taubheit begreifbar zu machen. Dabei geht die Autorin von der Annahme aus, dass ihre Leser hören bzw. sehen können: „Wir können hören. Wir hören die Stimme von Mama und von Papa. Wir hören die Tür, die zufällt. Wir hören den Lärm der Autos und wir hören Musik.“ Eine ähnliche Textstelle findet sich zum Thema Sehen. Die Beschreibungen, wie sich Blindheit oder Taubheit anfühlen könnte, sind wohl in dem Versuch dem angegebenen Alter der Zielgruppe zu entsprechen, etwas plakativ formuliert. Schließlich hat die Autorin am Ende des Buches zwei informative Seiten angefügt, auf denen die Brailleschrift und das Fingeralphabet illustriert und zum Teil kurz erklärt werden.

 

Die Illustrationen des gesamten Bilderbuches sind sehr ausdrucksstark und geben die wesentlichen Inhalte anschaulich auf jeder Buchseite wieder.

 

Grundsätzlich ist es denkbar, die sehr ansprechende Geschichte im Unterricht von Schülerinnen und Schülern im Förderschwerpunkt Hören mit Hilfe dieses Bilderbuches zu erarbeiten. Sowohl die visuelle Unterstützung durch die aussagekräftigen Bilder als auch die klare und einfache Sprache bieten gute Rahmenbedingungen zur Auseinandersetzung mit dem nicht ganz einfachen Inhalt. Je nach Hörfähigkeit der Leser wird das Buch jedoch auf den Seiten, in denen die Gehörlosigkeit beschrieben wird, unter Umständen an seine Grenzen stoßen. Dem subjektiven Erleben von Gehörlosigkeit (und Blindheit) wird keine Rechnung getragen.

Insofern sollte der Einsatz je nach Lerngruppe genau überlegt werden. Auch die Altersangabe ist für den Einsatz im Unterricht von Schülern mit Hörbeeinträchtigung nicht zwingend. Das Buch kann durchaus auch für ältere Schülergruppen (Klasse 4 / 5) gewinnbringend eingesetzt werden.

 

Im Buch Verlag Kempen ist zu diesem Buch ein Literaturprojekt von Michaela Depenbrock und Alexandra Müller erschienen, das begleitend durchgeführt werden kann.

 

 

München, im Mai 2016

Noëll M. Soerensen

 

 

Zurück