Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Hörwin in Phantasien

von Sieglinde Breidtschwerdt

Titelbild

Median-Verlag von Killisch-Horn GmbH,Heidelberg 1996
ISBN: 978-3-6922766-23-0

 

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Best.Nr.:  590112

Sieglinde Breitschwerdt, Kinderbuchautorin und Gründungsmitglied des 1993 in Kiel entstandenen Hilfswerks für hörgeschädigte Kinder, schrieb 1994 die Geschichte Hörwin in Phantasien, das viel mit Tönen, mit dem Hören und Hörgeräten zu tun hat und dessen Held Hörwin, ein kleines „lebendiges" Hörgerät ist. Der Erfolg dieses Buches veranlasste die Autorin ein zweites Buch als Fortsetzung zu diesem Thema zu schreiben.

 

In HÖRWINS erster Erdenflug (1996) geht es um die Akzeptanz von Schwerhörigkeit und Hörhilfen und den Vorteil stereofoner Versorgung. Die Autorin erzählt in einfühlsamer, lebendiger Sprache vom Leben und Treiben des kleinen Hörgeräts Hörwin und seiner Freunde im windschiefen Turm zu Phantasien. Bei seinem ersten Erdenflug mit den Zwillingen Panilei, die Leisetönefee und Panilau, die Lautetönefee, begegnen sie dem kleinen schwerhörigen Mädchen Claudia, das von Sabrina und den Mitschülern ständig gehänselt wird, weil sie schlecht hören kann und Hörgeräte trägt. Deshalb will Claudia sie nicht mehr tragen und hat Angst in die Schule zu gehen. Es wird spannend geschildert, wie Hörwin und die Zwillingsfeen mit den Freunden Lyro, dem Lautenspieler, mit Peggy, dem Flügelpony und den anderen Mitbewohnern vom schiefen Turm in Phantasien Claudia helfen; wie sich nach den Erlebnissen Sabrinas im Tonarchiv von Archivar Dezibelli und Professor Krawalli die Wandlung in ihr und den aggressiven, intoleranten Mitschülern vollzieht und die schwerhörige Claudia in Sabrina eine Freundin findet.

 

Hörwins erster Erdenflug ist im handlichen DIN A 5 Format (Hardcover) erhältlich und umfasst 80 kartonierte Seiten. Der Text in den 12 Geschichten ist gut strukturiert und die Schrift gut lesbar. Sowohl das Bild auf dem bunten Einband, das zum näheren Betrachten einlädt, als auch die 27 vierfarbigen Zeichnungen von Lila Leokadia sind sehr ansprechend, kindgemäß und ausdrucksstark gestaltet und verlocken ebenso wie die eigenwilligen Überschriften zum Lesen.

 

Als Einführung unter „Gestatten…" stellt die Autorin (auf den Seiten 5 bis 8) die 11 Helden ihres Buches charakteristisch und lustig bebildert vor. Für Leser, besonders für hörgeschädigte Kinder, die den ersten Band nicht kennen, sind es zunächst verwirrend viele Personen und zum Teil komplizierte Namen und Informationen. Der Name Dezibelli für den Archivar wurde im Hinblick auf die Bedeutung von dB sehr treffend gewählt.


Die Autorin weist weiterhin darauf hin, dass sie die (zukünftige) neue Rechtschreibung verwendet und … „das „ß" im neuesten Abenteuer immer mit „ss" geschrieben wird, wie es die neue Rechtschreibung demnächst vorsieht." Sie hält sich aber nicht daran, sondern verwendet die Schreibweise unterschiedlich. Insgesamt sind 12 Rechtschreibfehler enthalten, z.B. sassen, Spass , grösser, scheusslich, ein paar Turnschuhe, aussen usw., aber dann richtig verwendet: vom Äußeren, sie verließen die Praxis usw. Bei einer Neuauflage müsste die neue Rechschreibung richtig angewendet werden.

 

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, durch den Wechsel zwischen märchenhafter Fantasie anregender Zauberwelt und realer Welt, die in den einzelnen Geschichten zum Teil ineinander verwoben sind, dem Leser zu gestatten, reale Geschichten herauszulösen. Zum Beispiel in: „Jetzt hör ich was!" hat Claudia nach einer Mittelohrentzündung, als sie mit ihrer Mutter bei ihrer HNO-Ärztin ist, beim Hörtest wieder ein Hörerlebnis. Ein zweites Beispiel für ein reales Erlebnis, das sich sehr gut als separates Lesestück behandeln lässt, ist der Besuch Claudias mit ihrer Mutter beim Hörgeräte-Akustiker unter der Überschrift: „kitzelte nur ein wenig". Es wird unterhaltsam und genau beschrieben, wie ein Hörgerät aussieht, wie es funktioniert und wie man es bedienen kann, wie ein Ohrpassstück angefertigt wird (der Akustiker nennt es Otoplastik) und wie man es einsetzt, pflegen und reinigen kann.

 

Allerdings sollte man den Reinigungshinweis, dass man Pulver in einem Schälchen mit Wasser auflöst und „Dort hinein konnte man die Hörgeräte legen und sie baden, bis sie wieder sauber waren" (S.19) noch einmal auf sachliche Richtigkeit überprüfen. Wahrscheinlich sind die Otoplastiken einschließlich der Schläuche gemeint.

 

Mit Hörwins erster Erdenflug liegt ein Kinderbuch vor, das durch die einfühlsamen und doch unterhaltsamen Geschichten dazu beiträgt, das Verständnis und die Akzeptanz für schwerhörige Menschen in unserer Gesellschaft zu fördern.

 

Das Buch ist als Vorlesebuch sowohl im Vorschulalter als auch im Unterricht und in der Freizeit an Schulen für Hörgeschädigte (1.-4. Klasse) geeignet und ist besonders für Klassen an allgemeinen Schulen mit schwerhörigen Schülern zu empfehlen. Gute Leser der 3. oder 4. Klasse können das Buch auch eigenständig lesen.

Berlin, im November 2007

Uta Dörfer

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