Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Im Westen nichts Neues

von Erich Maria Remarque

 

In Einfacher Sprache bearbeit von Marion Döbbert

aus dem Projekt Bücher in Einfacher Sprache
des Spass am Lesen Verlages in der Kategorie Klassiker



152N 978-3-944668-10-9

€ 11,– zzgl. Versandkosten

 

spassamlesenverlag.de

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In seinem Romandebüt Im Westen nichts Neues erzählt Remarque die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines einfachen Soldaten: Der neunzehnjährige Paul Bäumer kommt als ahnungsloser Kriegsfreiwilliger von der Schulbank an die Front – und erlebt statt der erwarteten Kriegsbegeisterung und Abenteuer die ganze Brutalität des Gemetzels und das sinnlose Sterben seiner Kameraden. Diese Abrechnung mit dem Krieg macht ihn 1929 schlagartig bekannt. (nach dem Klappentext der Taschenbuchausgabe, Köln 2012).

 

Im Spaß am Lesen Verlag ist nun eine Fassung dieses weltberühmten Romans in Einfacher Sprache erschienen.

Um es vorweg zu nehmen: Entgegen meinen Erwartungen bin ich begeistert von dieser Fassung. Es gelingt der Bearbeiterin, Marion Döbbert, die Atmosphäre und viele der Themen der Originalfassung trotz der Einfachen Sprache zu erhalten. Der Text ist lebendig und ich habe ihn mit Spannung gelesen.

 

Viele der Kriterien für das Verfassen von Texten in Einfacher Sprache werden hier befolgt: Der Text ist im Flattersatz gedruckt, die Schriftgröße und der Zeilenabstand sind sehr gut zu lesen. Absätze sind deutlich erkennbar gegliedert. Am Zeilenende gibt es keine Worttrennungen. Zahlen größer als zehn sind als Ziffern geschrieben. Es gibt sehr wenige Nebensatzkonstruktionen. Ungewöhnlich ist allerdings die fast durchgängig konsequente Schreibung bei zusammengesetzten Nomen mit Bindestrich (Kranken-Haus, Gemeinschafts-Latrine, Brief-Träger ...) und z.T. auch bei zusammengesetzten Adjektiven oder Verben (stock-dunkel, wieder-erkennen ...). Ob dies die Lesbarkeit erleichtert, wenn in der Schule eine solche konsequente Anwendung der Kann-Regel nicht befolgt wird, ist eine offene Frage. Umso mehr fällt es dann auf, wenn Zahnbürste ohne Bindestrich geschrieben wird, Durch-Fälle mit, aber Durchfall ohne. Möglicherweise sind dies aber übersehene Druckfehler.


Das Einzige, was ich vermisse, ist die Übereinstimmung von Zeilenende und Phrasenende. Dies hätte ohne weiteres beachtet werden können, da die Zeilen oft sehr kurz sind und sich dadurch die Seitenzahl des Buches kaum erhöht hätte.

Dass der Text trotzdem lebt und ich ihn gerne gelesen habe, liegt an der Wortwahl. Selten vermeidet Döbbert ungewöhnliche Ausdrücke des Originals. Stattdessen werden diese im Text durch Unterstreichungen hervorgehoben und im Anhang einfach, aber sinnvoll erklärt.

Die Kapiteleinteilungen des Originals werden nicht beibehalten. Kurze Episoden bilden die Kapitel jeweils mit einer treffenden Überschrift. Gelegentlich wird zum besseren Verstehen die Erzählreihenfolge des Originals verändert.

 

Der Einsatz dieser Fassung im Unterricht parallel mit dem Originaltext ist sehr gut - auch in inklusiven Settings - vorstellbar, weil viele der im Original thematisierten Probleme auch in dieser Fassung erhalten bleiben. Allerdings wird diese Version in Einfacher Sprache für leseschwache gehörlose Schüler/innen trotzdem eine Herausforderung sein.

 

Essen, im November 2014

Dr. Renate Poppendieker

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