Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

"Willst du die Welt entdecken?"
Band 4 aus der Reihe

Leben lernen für hörgeschädigte Schüler und Jugendliche

Verfasser:  Johannes Straumann und Gerhard Heuschmid
Fach: Deutsch
Klassenstufe: Hauptschule, Realschule und Berufsbildende Schule
Herausgeber:  Aktion Sorgenkind
Preis:  kostenlos
Gesamtherstellung:  Ludwig Auer GmbH, Donauwörth
Bezugsquelle: Auer Verlag GmbH
Postfach 1152 
86601 Donauwörth 
http://www.auer-verlag.de
Telefon 0906/73-0 
Telefax 0906/73-177

Gutachten

 

 

Intention:


Das vorliegende Unterrichtswerk ist die Weiterführung von drei Arbeitsbüchern zum Sprachunterricht aus der Reihe „Sprechen lernen für gehörlose, schwerhörige und spracharme Schüler“.

Während die vorangegangenen Bände:

  • „Willst du mit dem Raben sprechen?"
  • „Willst du mit den Leuten sprechen?“
  • „Willst du’s auf den Punkt bringen?“

aktiv zum sprachlichen Handeln auffordern, beschreiten die Autoren Straumann und Heuschmid im Unterrichtswerk „Leben lernen“ einen neuen Weg. Erstmalig erhalten hörende, schwerhörige und gehörlose Schüler, Jugendliche und Erwachsene in dieser Form Informationen über ihr Leben, über die Behinderung der Hörschädigung und die sich daraus ergebenden Probleme, Einschränkungen, aber auch Möglichkeiten. Als Gestaltungsform wählen die Autoren das Interview. In seiner Grundidee neu findet die Zielgruppe sich in selbst erkannten und durchlebten Erfahrungen in den umfangreich gegliederten Einzelschicksalen wieder.

 

Inhalt und Gestaltung:


Dieses Schulbuch führt harmonisch und einfühlsam die Reihe der Bücher „Sprechen lernen – Spracherwerb“ weiter.
Die Autoren setzen den Schwerpunkt auf den Bereich „Leben lernen – Lesetexte“. Das Buch beinhaltet eine differenzierte Sammlung von Interviews mit wechselnden persönlichen und familiären Situationen. Die biografischen Aussagen sind inhaltlich nicht verändert worden. Einbezogen in die Idee, hörgeschädigten Schülern Lebenswirklichkeit zu versprachlichen, sind Schüler, Auszubildende, Berufstätige, Eltern und Geschwister. 
Die Sichtweise ist geprägt von der Wechselbeziehung zwischen hörgeschädigten und hörenden Menschen zweier Generationen.
Dabei beinhalten die Lebensentdeckungen die Schule, die Ausbildung, die Familie und den Beruf.
Die vielfältig dargestellte Lebenswirklichkeit führt zur Entdeckung des eigenen „Ich’s“ des Lesers, setzt sich aber auch mit fremder Erfahrung auseinander. Die Erkenntnis der eigenen Rolle in der unmittelbaren „kleinen Welt“ kann aufgeschlossen und verinnerlicht werden.

Die Autoren haben Personen im Alter zwischen 14 und 44 Jahren befragt. Alle waren oder sind Schüler einer Schule für Gehörlose und Schwerhörige. Damit ist das aktuelle Bild weit gefächert und die Interviews sind ein realer Ausschnitt aus der Lebens- und Berufswelt Hörgeschädigter. So ist dem Schüler ein Vergleich seiner eigenen Lebenssituation und seines Entwicklungsstandes möglich.

Der Aufbau des Buches ist logisch und berücksichtigt die entwicklungsbedingten Merkmale der Zielgruppe.

Die Reihenfolge ist gewählt nach: 

  • fremde/eigene Lebensgeschichte
  • fremde/eigene Sichtweise
  • fremde/eigene Rolle.

Im Mehrfarbendruck ist das Schulbuch freundlich und ansprechend gestaltet. Die straffe, zielstrebige Gliederung ist ideenreich aufgelockert. Durchgängig sind Denkanstöße eingestreut, machen Lebensweisheiten oder Informationen durch wechselnde Farben und Formen auf sich aufmerksam und provozieren Sprechsituationen. Hervorzuheben ist auch der Freiraum mit Vorschlägen zur eigenen Bearbeitung. Die sprachlichen Elemente des Arbeitsbuches sind hörgeschädigtengerecht.

Erste Erprobungen im Unterricht ergaben folgende Ergebnisse:

  • Der hörgeschädigte Schüler nimmt das Buch an.
  • Mit Erstaunen erfasst er die seinem Leben entsprechenden ähnlichen Erfahrungen.
  • Aus den Einzelschicksalen sucht er Bezugspunkte zu seiner Lebenswirklichkeit.
  • Nach sprachlicher, inhaltlicher und gestalterischer Erfassung des Buches wählt er Interviews, die seiner Entwicklung und seiner Situation besonders nahe sind.
  • Dieses Buch hilft dem hörgeschädigten Schüler seinen Findungsprozess, seine Fragen: „Wer bin ich? Wer ist in meinem Leben wichtig?“ sprachlich aufzubereiten.

Uns liegt ein neues Unterrichtswerk vor, das von der Zielgruppe nicht schnell aus der Hand gelegt wird.

 

Empfehlung:


Das vorliegende Schulbuch ermöglicht den Schülern in vielfältiger Form Lebensgeschichten kennenzulernen und auf ihr eigenes Leben zu reflektieren. Es gibt ihnen die Sprache über ihre oder andere Lebensgeschichten kommunizieren zu können.
Damit ist das Buch ein wertvoller Beitrag für den Unterricht hörgeschädigter Schüler und Jugendlicher; aber auch im Elternhaus, im Internat und im späteren Leben kann es ein hilfreicher Begleiter sein.

Das Buch „Leben lernen“ ist für die Arbeit an Schulen für Gehörlose und Schwerhörige sehr gut geeignet.

 

Halberstadt, den 16. April 1999
Karin Hohlweg

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