Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

"Willst du die Zeit verstehen?"
Band 5 aus der Reihe

Leben lernen für hörgeschädigte Schüler und Jugendliche

Verfasser:  Johannes Straumann, Gerhard Heuschmid, Uta Dörfer
Fach: Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und für fächerübergreifenden Unterricht
Klassenstufe: Hauptschule, Realschule und Berufsbildende Schule
Herausgeber:  Aktion Sorgenkind
Preis:  kostenlos, Versandkosten werden in Rechnung gestellt
Gesamtherstellung:  Ludwig Auer GmbH, Donauwörth
Bezugsquelle: Auer Verlag GmbH
Postfach 1152 
86601 Donauwörth 
http://www.auer-verlag.de
Telefon 0906/73-0 
Telefax 0906/73-177

Gutachten

 

 

Intention


Das vorliegende Unterrichtswerk „Willst du die Zeit verstehen?“ ist der letzte Band der Reihe „Leben lernen für hörgeschädigte Schüler und Jugendliche“.
Die Autoren setzen mit diesem Unterrichtswerk den methodischen Weg fort, der schon im Band 4 beschritten wurde. In diesem 5. Band erhalten hörende, schwerhörige und gehörlose Schüler, Jugendliche und Erwachsene Informationen über das Leben älterer hörgeschädigter Menschen.
Aus deren Berichten geht hervor, wie Hörgeschädigte die Vergangenheit - ihr Leben mit all seinen Möglichkeiten und durch die Behinderung bedingten Einschränkungen - darstellen.
Der Leser erfährt in authentischer Art und Weise eine Reise in die Vergangenheit und kann diese Erfahrung mit Faktenwissen der Zeitgeschichte verbinden.
Dieses Buch eröffnet die Chance, ein lebendiges Bild von Geschichte und Gefühl für das Phänomen der Wurzeln des Heute im Gestern zu entwickeln.
Gestaltungsform ist auch in Band 5 das Interview.

 

Inhalt und Gestaltung


Dieses Schulbuch rundet die Reihe der Bücher „Sprechen lernen – Spracherwerb“ harmonisch ab und setzt gleichzeitig einen Akzent auf die soziale Einbindung des Einzelnen in sein soziales und gesellschaftliches Umfeld. 
Schwerpunkt sind zwölf ausführliche Lesetexte mit biografischen Berichten hörgeschädigter Männer und Frauen der Jahrgänge 1907 bis 1939.Sie stammen aus Berlin, aus einer süddeutschen Großstadt und aus süddeutschem ländlichen Raum. So wird das zeitliche Spektrum des zwanzigsten Jahrhunderts anhand der Lebenswelt Hörgeschädigter aus verschiedenen sozialen Lebensräumen gezeigt.
Die biografischen Aussagen umfassen Schilderungen prägender Erlebnisse und ganze Lebensläufe von Hörgeschädigten und ihren Familien.
Bezüge zur Zeitgeschichte ergeben sich aus der Gegenüberstellung von individuellen Erlebnissen und Zeitdokumenten.So werden die Wechselbeziehungen zwischen Individuum – Familie – Gesellschaft deutlich. Der Zusammenhang zwischenden Lebenswelten der einzelnen Menschen und gesellschaftlichen Strukturen mit ihrer Auswirkung wird sichtbar.Am Beispiel von diesen Menschen wird die Verknüfpung der eigenen „kleinen Welt“ des „Ich“ mit der Zeitgeschichte deutlich.
In prägnanter Weise offenbart sich die Grausamkeit demagogischer Gesetzgebung zur „Erbgesundheit“, indem anonyme Opfer der Zwangssterilisation ein Gesicht, ein Bild, eine Familie bekommen.Das fordert den Leser dazu heraus, dieses Thema persönlich aufzufassen und zu werten.
Alle befragten Personen berichten über Erfahrungen aus der Schulzeit , Lehre, dem Berufsleben und Familienalltag. So entsteht ein facettenreiches Bild der Lebens- und Berufswelt hörgeschädigter Menschen in vergangener Zeit. Abstrakte Zeitgeschichte wird konkret. Durch die Arbeit mit diesem Buch kann der Schüler ein plastisches Geschichtsbild des vergangenen Jahrhunderts gewinnen. 
Der Aufbau des Buches ist chronologisch und berücksichtigt die entwicklungsbedingten Merkmale der Zielgruppe. 
Die Lebensberichte sind nach den Geburtsjahrgängen geordnet und werden durch eingefügte Hinweise auf das Zeitgeschehen in einzelnen Jahren unterbrochen. Außerdem sind Bild- und Zeitdokumente eingefügt.
Nach jedem Interview folgt eine Doppelseite mit Vorschlägen zur Bearbeitung und Raum für Notizen des Lesers. Damit ist die straffe Gliederung aufgelockert und bietet Anregungen zum selbständigen und kreativen Arbeiten.
Eine Vielzahl historischer Fotografien führt Erzähltes vor Augen, lässt die Geschichten anschaulich werden.
Die sprachlichen Elemente des Buches sind hörgeschädigtengerecht.

 

Empfehlung


Mit diesem Buch liegt ein Unterrichtswerk vor, das den hörgeschädigten Schülern einen neuen Zugang zur Dimension der Zeit und ihres Verstehens eröffnen kann. Ihnen wird ermöglicht, Lebensgeschichten zu erfahren und auf ihre eigen Familie und deren Geschichte zu beziehen. Das Buch vermittelt die Sprache,die dem Schüler ermöglicht, über komplizierte Zusammenhänge von Individuum und Gesellschaft zu reflektieren.
Das Buch ist sowohl für den Unterricht hörgeschädigter Schüler und Jugendlicher, als  auch zur Lektüre im Wohnheim und im Elternhaus zu empfehlen.

Das Buch „Leben lernen“ ist für die Arbeit an Schulen für Schwerhörige und Gehörlose sehr gut geeignet.

 

Heidelberg, 30.09.2002
Angela Kühmel

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