Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Michael Kohlhaas

Titelbild des Heftes

 

 

Ein Leseprojekt nach der Novelle von Heinricht von Kleist
für die Schule bearbeitet von Diethard Lübke

 

aus der Reihe: ... einfach klassisch

 

Schülerheft, kartoniert: 80 Seiten

Preis: 3,20 €

 

Verlag: Cornelsen (2007)

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-464-60952-1

 

 

Das Konzept der Reihe ... einfach lesen  ... weiterlesen

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas wird bei einer seiner Geschäftsreisen ins benachbarte Sachsen vom neuen Burgvogt dem Junker Wenzel von Tronka aus reiner Willkür betrogen und verliert dabei zwei seiner besten Pferde, sowie seinen Knecht. Der rechtschaffene Gerechtigkeitsverfechter Michael von Kohlhaas erhebt Klage gegen Wenzel von Tronka, verliert jedoch aufgrund von verwandtschaftlichen Verbindungen des Junkers mit Personen in hohen Positionen. Als die Frau von Michael Kohlhaas dem Kurfürsten eine Bittschrift an den Kurfürsten überbringen will, wird sie von seinen Wachen tödlich verletzt.

Nachdem Michael Kohlhaas mit legalen Mitteln keine Gerechtigkeit erfahren hat und nun auch noch seinen Frau verloren hat, sinnt er auf Rache. Er schart viele Leute um sich und jagt den Junker von Wenzel mordend und brandschatzend durch das ganze Land. Erst Martin Luther kann Kohlhaas wieder zur Vernunft bringen. Er sorgt dafür, dass beide Männer für ihre Taten bestraft werden. Der Junker erhält für seinen Betrug eine Gefängnisstrafe. Michael Kohlhaas wird zum Tode verurteilt. Er stirbt jedoch mit der Genugtuung, dass ihm letztendlich Gerechtigkeit widerfahren ist.

Das Heft hat ausklappbare Umschlagseiten mit einer Aufstellung der handelnden Personen, die somit beim Lesen ständig präsent sein kann. Das Heft enthält eine Inhaltsübersicht. Beides trägt dazu bei, dass der Leser nicht die Übersicht über den Text verliert und vorzeitig aufgibt. Die kurze Einführung erklärt kurz die Rechtslage und die Stimmung zur Entstehungszeit der Novelle 1805-1810. Hier erfährt der Leser, dass es zum damaligen Zeitpunkt, kurz nach der französischen Revolution erst sehr kurze Zeit üblich war, alle Bürger standesunabhängig vor dem Gesetz als gleich anzusehen. Somit wird deutlich, dass die Thematik, die in der Novelle erzählt wird, zur Zeit Heinrich von Kleists sehr aktuell war und zu vielen Diskussionen beigetragen hat.
Diese Einführung verringert einerseits die zeitliche Distanz des Geschriebenen zur Erfahrungswelt des jugendlichen Lesers und macht andererseits neugierig auf die folgende Geschichte.

 

Trotz dieser Erleichterungen bleibt die bearbeitete Novelle ein anspruchsvoller Klassiker. Die Novelle ist bei hörgeschädigten Schülern, die einen Mittleren Schulabschluss anstreben bzw. Schülern der Sekundarstufe II einsetzbar, wenn diese auch ein gutes Sprach- und Leseverständnis besitzen. Die meisten Schüler benötigen zum Verständnis zusätzliche Wörterlisten bzw. ein deutsch-deutsches Wörterbuch. Viele komplizierte Satzkonstruktionen und heute ungebräuchliche Verwendung von Wortbedeutungen und Sprachstrukturen verlangen vom jugendlichen Leser eine hohe Kompetenz ab. Es ist vorstellbar, diese Lektüre der gesamten Lerngruppe anzubieten oder sie im Rahmen der Differenzierung zu verwenden. Die stets hochgehaltene Spannung der Geschichte unterstützt die Lesemotivation sehr.

 

Zusätzlich in Fußnoten eingefügte Worterklärungen, sachbezogene Infoblöcke und produktive Aufgabenstellungen am Ende von größeren Leseabschnitten fördern das Leseverständnis und das gedankliche Durchdringen der Geschichte. Aufgelockert wird das Leseerleben durch einige, zum Inhalt passende Zeichnungen. Viele Schüler werden sich die Lektüre zwar nur mühevoll erarbeiten können, haben damit aber eine gute Grundlage, sich in die handelnden Personen hineinzuversetzen und sich eine Meinung zu den im Text verhandelten Problemen zu bilden.

 

Hamburg, im November 2013

Ulrike Schmid

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