Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen


Spread the Sign

Internationales Gebärdenlexikon im Internet und als App

 

Internet: www.spreadthesign.com

App: ‚spread signs’

 

Die Stellungnahme bezieht sich auf die Internetseite.

 

Spreadthesign ist ein von der EU gefördertes Leonardo-da-Vinci-Projekt, das von der Europäischen Kommission (genauer: dem schwedischen Büro für Internationale Programme in Erziehung und Ausbildung) unterstützt wird. Das Gebärdenlexikon zeigt Gebärden und Phrasen in ca. 20 verschiedenen Sprachen (Schwedisch, Portugiesisch, Englisch (BSL und ASL), Deutsch (DGS und ÖGS), Französisch, Spanisch, Russisch, Estnisch, Litauisch, Isländisch, Lettisch, Polnisch, Tschechisch, Japanisch, Türkisch, …) sowie Baby Signs. Der Betreiber ist das Zentrum für Europäische Gebärdensprachen (European Sing Language Center). Dies ist eine NOG (= Nichtregierungsorganisation). Das Ziel dieses Projektes ist die Verbesserung der sprachlichen Möglichkeiten von (gehörlosen) Berufsschüler/innen bei Auslandsaufenthalten. Im Zeitraum von 2008–2010 wurden Gebärden aus den meisten Berufsfeldern ins Netz gestellt. Am 1. November 2015 enthielt die Webseite 290.497 Videodateien und 99.316 Sounddateien. D.h. ca. ein Drittel der Videodateien ist mit einem Ton versehen. Insgesamt soll jede Gebärdensprache 15.000 Einträge haben. Dieses Ziel haben inzwischen (Stand November 2015) Estland, Tschechien, Deutschland, Italien, Lettland, Litauen, Spanien, Türkei und England erreicht. Die Einweihung erfolgte im März 2009.

Auf der Startseite finden sich Links zu folgenden Bereichen: Gruppen (d.i. Bereiche nach denen die Einträge geordnet sind), Über uns, Alphabet (hier finden sich die unterschiedlichen Arten des Fingeralphabets der o.g. Gebärdensprachen) sowie Karte. Unter Gruppen finden sich die Bereiche Allgemeines, Religion, Pädagogik, Sonderpädagogik / Förderpädagogik, Sprache, Kunst und Unterhaltung, Sozialkunde / Gesellschaftslehre, Staatliche Zuschüsse und Leistungen, Geografie und Reisen, Lebensmittel und Getränke, Lifestyle, Sport und Freizeit, Computer und moderne Technologie, Wissenschaft, Naturkatastrophen sowie Gesundheit und Medizin.

Will man ein bestimmtes Wort suchen, stellt man die entsprechende Ausgangssprache ein und tippt das Wort in die Suchfunktion. Dabei ist es wichtig, keine Gruppeneinstellung vorzunehmen, um auf das gesamte Lexikon Zugriff nehmen zu können. Dann erscheinen die Gebärden für dieses Wort in allen o.g. Gebärdensprachen, falls es dort einen Eintrag dafür gibt. Durch entsprechende Voreinstellung kann man zwei unterschiedliche Gebärdensprachen nebeneinander einspielen lassen.

Dieses Online-Lexikon ist in seinem Umfang wirklich beeindruckend und lässt sich in verschiedenen (unterrichtlichen) Kontexten nutzen: im Englischunterricht, bei Schüler / innen, die als Seiteneinsteiger / innen mit anderer Gebärdensprache kommen (ein Teil der Wörter ist illustriert oder in einem kurzen Video dargestellt), im Deutsch- oder Fachunterricht, wenn man eine Gebärde nicht kennt. Besonders positiv finde ich, dass es sich um ein teilweise zweisprachiges Instrument handelt. Denn es gibt nicht nur die entsprechenden Gebärdenzeichen zu den unterschiedlichen Einträgen, sondern auch jeweils zum Wort oder Satz auch gesprochene Sprache. Denn – wie oben schon erwähnt – sind ca. ein Drittel der Videodateien mit Sounddateien verknüpft. Leider enthält dieses Lexikon auch schmerzliche Lücken (z.B. finden sich unter afrikanische Länder nur zwei Einträge). Auch finde ich die Auflistung der Bereiche unter den Gruppen sehr unglücklich. Sie folgt keinem nachvollziehbaren System (z. B. alphabetisch). Ich konnte mich nur dadurch orientieren, indem ich mir die Bereiche in der entsprechenden Reihenfolge notiert habe.

Trier, im November 2015

Dr. Renate Poppendieker

 

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