Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Sprung ins Kreuz

Cover des Buches

(Kurzstreckenleser aus der Werkreihe Texte.Medien)
ab Klasse 8 

von Herbert Somplatzki

Schroedel Verlag 2009
ISBN: 978-3-507-47072-9

 

Haupt-Text: 10 Kapitel, 108 Seiten mit eingestreuten Aufgabenstellungen

Anhang:
- Infotext „Querschnittslähmung“
- Kurzgeschichte von Jaap ter Haar „Behalt das Leben lieb“
- Aufgabenlösungen zum Haupttext

 

6,50 €

 

www.schroedel.de

Das Konzept der Reihe Kurzstreckenleser ... weiterlesen

Bernd, ein sportlicher Sechstklässler, wird durch einen Unfall im Schwimmbad, halb Schicksalsschlag – halb selbstverschuldet, querschnittsgelähmt. Er sitzt nun für immer im Rollstuhl und ist vor die Aufgabe gestellt, mit seinem neuen Leben und dessen Einschränkungen zurechtzukommen. Seine Freunde Frank und Mesut, die sich für den Unfall mitverantwortlich fühlen, helfen ihm dabei. Ebenso die hübsche Mitschülerin Vera, die eine begabte Tänzerin ist und Bernd zu einer Tanzaufführung beim Schulfest überredet. Ob aus der Beziehung zu Vera mehr als eine Freundschaft wird, bleibt  offen, denn Vera zieht am Ende der Erzählung  in eine andere Stadt. Die Geschichte endet wie sie begonnen hat – die drei Freunde fahren fröhlich zum Baden ins Schwimmbad, Bernd diesmal mit dem Rollstuhl – die beiden anderen wie zuvor mit dem Fahrrad.

 

Der Autor greift das Thema „Leben mit einer Behinderung“ auf und verpackt es in eine leicht zu verstehende Geschichte, die die Stationen: Unfall, Diagnose, Auseinandersetzung mit den Folgen und Akzeptanz der irreversiblen Behinderung durchläuft. Der Erzählzeitraum umfasst etwa ein Jahr.

 

Der Text ist meist leicht zu lesen, da neue Sätze stets in einer neuen Zeile beginnen und sämtliche Dialoge und fast alle inneren Monologe mit Sprecherangaben gekennzeichnet sind. Was die Protagonisten denken und fühlen, wird oft direkt gesagt und muss nicht aus ihrem Verhalten erschlossen werden. Dies ist für ungeübte Leser ein Vorteil, lässt die Handlung insgesamt aber flach erscheinen und schadet mitunter der Lebendigkeit und Spannung.

 

Insgesamt wirkt die Geschichte altbacken und nicht zeitgemäß, von der Namensauswahl der Schüler (Bernd, Frank, Elke, Heike, Birgit) über die der Lehrer (Sportlehrer Herr Maigrün und Sportlehrerin Frau Birkenstock) bis zur überholten Jugendsprache „fetzig“ und vermeintlichen Jugendvorbildern „Zorro – Tarzan – Robin Hood“. Das wichtige Thema „mögliche  Ausgrenzung innerhalb der Peer-Group aufgrund von Behinderung“ spielt im Buch keine Rolle. Bis auf den garstigen Hausmeister, der Bernd mit dem Lastenaufzug täglich in die Klasse bringt, verhalten sich alle vorbildlich. Seine beiden Freunde kümmern sich um ihn, obwohl er nicht immer nett zu ihnen ist. Eines der attraktivsten Mädchen der Klasse sucht seine Nähe und will trotz seines Widerstandes mit ihm in aller Öffentlichkeit auf der Bühne tanzen. Die Botschaft des Textes ist somit: Das Leben mit einer Behinderung ist nicht ganz einfach,  geht aber weiter.

 

Erfahrungen aus der Praxis:
Das Buch wurde mit gehörlosen Schüler/innen einer 9. Klasse gelesen, die zusätzlich den Förderschwerpunkt „Lernen“ haben. Die Schüler konnten den Text mit einigen zusätzlichen Wortlisten weitgehend selbstständig erlesen. Die in den Text eingefügten Leseaufgaben reichten nicht aus, um das Leseverständnis abzuklären und wurden deshalb durch eigene ergänzt.

 

Hamburg,  im November 2013 
Kathleen Wengler

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