Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen



Unerhört?! Alles verstanden! Alles gehört?

Dokumentarfilm von Julia Olk und Sebastian Lindemans

DVD, 2014

€10,00 (+ € 2,00 Versand)

Laufzeit 60 min

 

www.unerhoert-derfilm.de

www.hoerbiz-trier.de

Der Dokumentarfilm Unerhört?! ist auf einer DVD erhältlich und kann in deutscher Sprache abgespielt werden. Zusätzlich kann man bei Bedarf den deutschen Untertitel einblenden oder eine Audiodeskription wählen. Auch das Zuschalten einer DGS-Dolmetscherin ist über das Menue möglich. Die Laufzeit des Films beträgt ca. 60 Minuten.

Unerhört?! handelt von vier Menschen unterschiedlichen Alters, die von ihrem Leben mit Hörschädigung erzählen. Neben ihrer Hörschädigung verbindet alle vier Personen ihre Lautsprachorientierung. Durch den Film führt Charlotte Böhm, die die Protagonisten im Wechsel an unterschiedlichen Orten interviewt und darüber hinaus auch immer wieder Angehörige und Freunde einbezieht. Annika (11), Veronika (54), Pia (25) und Sandro (24) erzählen eindrucksvoll und offen von ihrer Behinderung und wie sie verschiedene Situationen in ihrem Leben bewältigen. Auf diese Weise wird der unwissende Zuschauer über eine Vielfalt von Themen rund um die Hörschädigung informiert und durch entsprechende Filmszenen geschickt sensibilisiert. So spielt beispielsweise eine Szene in einem Gasthaus an einem vollbesetzten Tisch, an dem alle durcheinander reden, im Hintergrund spielt eine Musikgruppe - selbst für einen guthörenden Menschen ist es nicht einfach, einem Gespräch bei solch einer Geräuschkulisse zu folgen. Die schwerhörige Elvira beschreibt ihren Höreindruck in dieser Umgebung schlichtweg als "Geräuschebrei". In einer anderen Szene wird an einer Hauptverkehrsstraße ein Interview geführt - für beide Gesprächsteilnehmer auf Grund des enormen Störlärms durch Autos, das Alarmsignal eines Krankenwagens und Hundegebell kein leichtes Unterfangen. Diesmal beschreibt die schwerhörige Pia, welche Anstrengung ihr eine solche Kommunikationssituation abverlangt.

Doch der Film ist kein reiner Informationsfilm für Menschen, die etwas über Hörschädigung erfahren wollen. Er eignet sich auch hervorragend für die Auseinandersetzung Betroffener mit der eigenen Behinderung. Themen wie Diagnose, Erstanpassung, Sozialkontakte, Schule, Studium und Beruf werden ebenso angesprochen wie lustige Missverständnisse, Lautheitsempfinden, Einsatz von Hörtechnik und Hörtaktik. Der Film ist in seiner Themenauswahl sehr umfassend, durch den häufigen Szenenwechsel abwechslungsreich und durch die individuelle Schilderung der Protagonisten sehr unterhaltsam. Dabei hat man als Zuschauer zu keiner Zeit den Eindruck, dass hier Behinderte und ihre Behinderung verfilmt wurden, sondern hier wurden Menschen porträtiert mit ihren Hobbys, Vorlieben, Interessen und ihrer Behinderung.

Meines Erachtens eignet sich der Film hervorragend für den unterrichtlichen Einsatz, allerdings sollte beachtet werden, dass - abgesehen von der Übersetzungsmöglichkeit in DGS - Gehörlosigkeit und Gebärdensprache hier keine Rolle spielen, sondern das Leben lautsprachorientierter Schwerhöriger in der hörenden Welt thematisiert wird.

 

Heidelberg, im November 2016

Noelle Soerensen

 

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