Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Ungehörig - Na und ...?
von Brigitte Simon

 

11,80 € zuzüglich Versandkosten

 

www.glas-und-buecher-simon.de

Das Buch erzählt die Geschichte einer 5. Schulklasse, in die während des Schuljahres zwei neue gehörlose Mitschüler eingeschult werden.

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit den Vorbereitungen in der Klasse auf die neue Situation mit zwei gehörlosen Mitschülern gemeinsam unterrichtet zu werden. Zentrale Rolle spielt dabei der Klassenlehrer Herr Kayser, der sich durch eine sehr demokratische, offene Unterrichtsweise auszeichnet und die Schüler mit sehr viel Selbstverantwortung durch den Schulalltag führt. So versucht er auch durch Rollenspiele und Forschungsaufträge exemplarisch einzelne seiner Schüler für das Thema Gehörlosigkeit zu sensibilisieren. Unterstützt wird er dabei schließlich von Frau Robertson, der Gebärdensprachdolmetscherin, die für die beiden gehörlosen Schüler Larissa und Daniel im Unterricht dolmetschen wird. Neben diesem Erzählstrang werden die Schüler der Klasse zum Teil etwas näher vorgestellt und auch ein paar Beziehungskonstellationen (Freundschaften und Konflikte) kurz angerissen.

Nach über der Hälfte des Buches kommen Larissa und Daniel in die Klasse. Hier tritt nun auch noch die GU-Lehrerin Frau Tillmann, die die beiden neuen Schüler sechs Stunden die Woche zusätzlich fördern soll, in Erscheinung.

 

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Eingliederung von Larissa und Daniel in die Klassengemeinschaft. Zusätzlich wird erzählt, wie der Hund einer Schülerin für einige Tage verschwindet, dann trächtig wieder auftaucht. Einer der Welpen wird schließlich zum Ende der Geschichte dazu auserwählt für Daniel als Gehörlosen-Begleithund ausgebildet zu werden.

 

Die Geschichte umfasst 66 Seiten im DIN A5-Format. Sie ist im Blocksatz gedruckt. Zu Beginn des Buches werden alle Personen tabellarisch aufgelistet. Die Geschichte ist im Präteritum geschrieben und in 22 kurze Kapitel unterteilt.

 

Das Buch hat zum Ziel, das Thema „Inklusion“ am Beispiel Gehörlosigkeit aufzugreifen und möglichst umfassend zu beleuchten und vorzustellen. Dies wurde nur bedingt erreicht.

Bei der Geschichte handelt es sich um eine Aneinanderreihung schulischer und außerschulischer Ereignisse, die ohne Höhepunkt erzählt werden. Durch den fehlenden Spannungsaufbau fehlt der Anreiz, das Buch zu lesen.

 

Die Handlungen der Personen werden überwiegend von außen beschrieben, innere Monologe, Gefühle und Gedanken erfährt der Leser nicht. So erschließt sich auch nicht, ob und welche Schwierigkeiten, Ängste und freudige Momente beim Erleben der Inklusionssituation für alle Beteiligten auftreten. Viele sicher auftretende und zu meisternde Schwierigkeiten bei der Inklusion werden in der Geschichte nicht oder nur kurz erwähnt. So werden zum Beispiel Kommunikationsschwierigkeiten, die zwischen den Schülern anfangs sicher und gehäuft auftreten, nicht beschrieben. Auch dass Daniel und Larissa viel zusätzliche Förderung benötigen, um den Unterrichtsstoff vollständig zu erfassen, wird nur kurz und indirekt angedeutet als die Mutter von Daniel erzählt, dass sie täglich mit ihrem Sohn zu Hause die Unterrichtsinhalte nacharbeiten muss. Der Zusatzunterricht durch die GU-Lehrerin spielt auch keine Rolle bei der Beschreibung des Schulalltags der gehörlosen Kinder und wird einmal sogar als „lautloser Unterricht“ bezeichnet.

 

Insgesamt wird die ganze Geschichte sehr oberflächlich erzählt. Viele gute Ansätze und Ideen kommen nicht zur Geltung, da sie nicht vertieft werden. Man gewinnt den Eindruck, als wäre die Inklusion gehörloser Kinder in eine hörende, nicht gebärdende Klasse eine leicht zu bewältigende Aufgabe, die sich von Anfang an spielerisch und problemlos gestaltet.

Außerdem werden andere große Themen (Migration, Gewalt unter Jugendlichen) in dem Buch ebenso kurz thematisiert, jedoch nicht weiter vertieft.

 

Trier, im November 2015

Ulrike Schmid

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