Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

Wilhelm Tell

Titelbild des Buches

 

Friedrich Schillers Wilhelm Tell als erstes Buch der neuen Reihe

Ich entdecke Literaturklassiker


bearbeitet von Meike Hahnraths und Kristina Schmeling

Illustrationen von Henriette Kröger


Verlag: Hahnraths-Verlag

 

Schülerbuch: 111 Seiten

Preis: 14,80 €

ISBN: 978-3-941747-03-6

 

Begleitendes Lehrermaterial: 110 Seiten

Preis: 24,80 €

ISBN: 978-3-941747-05-0

"Das Drama »Wilhelm Tell« entstand in den Jahren 1803 und 1804 und wurde kurz nach seiner Veröffentlichung im Frühjahr 1804 erstmals auf der Bühne des Weimarer Hoftheaters aufgeführt. Es handelt sich um das letzte Werk des Dichters Friedrich von Schiller, der ein Jahr nach der Erstaufführung verstarb. Das Werk ist in fünf Aufzüge gegliedert und beschäftigt sich mit der Sage um den gleichnamigen Schweizer Nationalhelden, der zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert gelebt haben soll. Zu den handelnden Personen zählen neben Wilhelm Tell selbst insbesondere sein Gegenspieler Hermann Gessler sowie Werner Freiherr von Attinghausen, Ulrich von Rudenz, sowie zahlreiche Bauern, Handwerker und Landleute aus der Schweiz. Die Kernaussagen des Stücks sind der Widerstand gegen machtgierige und teilweise sadistische Unterdrücker, sowohl von Einzelpersonen wie auch der gesamten Gesellschaft." (aus http://www.inhaltsangabe.de/schiller/wilhelm-tell/ am 06.07.2015)

 

Schülerbuch

Das Schülerbuch ist ein A4-Hochformat. Neben dem vereinfachten Dramentext enthält es ein Personenregister mit Porträtzeichnungen der wichtigsten Personen und Kartenmaterial. Das Kartenmaterial verdeutlicht anhand aktueller Karten die damalige historische Situation.

 

Der Text selber enthält alle im Original auch vorhandenen Aufzüge und Szenen. Er ist jeweils auf der linken Seite abgedruckt. Dabei ist der Dialogtext in schwarz und der Erzähltext (Regieanweisungen) in orange gehalten. Die sprechenden Personen sind fett hervorgehoben. In den Kopfzeilen ist aufgeführt, zu welchem Erzählstrang (Wilhelm Tell, Eidgenossen oder König und Adel) der Text auf der jeweiligen Seite gehört. Die Zeilen sind durchgehend nummeriert. Auf den rechten Seiten befinden sich Worterklärungen (oft auch mit Zeichnungen), Anmerkungen oder Aufgaben zu dem Text auf der gegenüberliegenden Seite. Diese Textteile sind in blau gedruckt. Aufgaben sind immer auch mit einem großen grünen Ausrufezeichen gekennzeichnet. Spielaufgaben geben die Rollen in rot und grün wieder. Am Ende finden sich Lösungen zu den Aufgaben mit Ausnahme der "Kompetenzorientierten Aufgaben" (Arbeitsmaterial, S. 2), Informationen zu Friedrich Schiller, eine Zeitleiste, ein Register der Anmerkungen sowie einige geflügelte Worte mit Erklärungen aus Schillers Wilhelm Tell.

 

Die Schrift ist serifenfrei, weitlaufend und in 14 Punkt groß gedruckt.

 

Begleitendes Lehrermaterial

Bei dem Arbeitsmaterial handelt es sich um A4-Kopiervorlagen in schwarz-weiß. Es enthält neben Inhaltsangaben und Kurzanalysen auch eine Auflistung der Erzählstränge der einzelnen Szenen. Zu jeder Szene gibt es folgende Aufgabenblätter, die immer gleich gestaltet sind: Das ist richtig!, Sätze verbinden, Malblatt. Zu jedem Aufzug ist ein Arbeitsblatt zum Festigen von Begriffen vorhanden sowie fast immer auch ein Kreuzworträtsel. Darüber hinaus gibt es szenenunabhängiges Material (6 Arbeitsblätter), thematisch passende Bastelanleitungen und Kochrezepte. Zu allen Aufgabenblättern ist eine Lösung vorhanden.

 

Dieses Material ist laut Angabe der Autorinnen für Schüler / innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen gedacht, aber auch für solche, die keinen Förderschwerpunkt haben. Ich halte dieses Material mit Einschränkungen für gelungen. Dabei ist besonders die Gestaltung in Einfacher Sprache teilweise zu bemängeln. Einerseits ist es den Autorinnen gelungen, das umfangreiche Drama Schillers angemessen auf das Wesentliche zu kürzen. Dabei ist aber besonders die Wortwahl nicht immer vereinfacht. Heißt es z. B. im Original im 1. Aufzug in der 2. Szene "Wessen ist dies Haus?" steht in der vereinfachten Fassung "Er fragte, wessen Haus dies sei ..." (18) oder in der gleichen Szene wird aus dem Originaltext " ..., dass der Böse sprach" " ..., dass er böse sprach." (18). Im ersten Fall halte ich es nicht für eine Vereinfachung, im zweiten Fall ist m. E. keine Vereinfachung notwendig. Darüber hinaus sind zwar bei der Auswahl der Schrift Kriterien für Einfache Sprache berücksichtigt, nicht aber beim Zeilensatz. Sehr oft fallen Zeilenende und Phrasenende nicht zusammen.

 

Deshalb denke ich, dass dieses Material nur in höheren Klassen für lesestarke Hörgeschädigte gut einsetzbar ist. Für diese Gruppe sind aber die Arbeitsblätter zu schlicht bzw. unpassend. Stattdessen müsste die jeweilige Lehrkraft sich methodisch und inhaltlich anspruchsvollere Aufgabenblätter selber überlegen.

 

Erfurt, im Mai 2015

Dr. Renate Poppendieker

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