Fachkommission Lehr- und Lernmittel für den Unterricht Hörgeschädigter an Schulen für Hörgeschädigte und an allgemeinen Schulen

 

Zeig mir, was Du schreiben kannst!
Eine Hilfe zum Schrift- und Spracherwerb

von Sabine Thust

Titelbild der DVD

ISBN 3-9810709-0-9
ISBN 978-3-9810709-0-3
erschienen 2006

19,90 €  zzgl. Versandkosten

 

Verlag Karin Kestner

Hufgarten 4b

34302 Guxhagen

 

 

Inhalt und Beurteilung

 

Das Material Zeig mir, was du schreiben kannst! besteht aus einem 55 Seiten umfassenden Buch im A4-Format sowie einer Lose-Blatt-Sammlung mit 41 Seiten Verbrauchsmaterial aus Karton, ebenfalls im A4-Format.

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert: ABC, Buchstaben einsetzen, Buchstaben auswechseln, Worte aufbauen, IM, EIN / EINE und MEIN / MEINE und Sätze. Jedem Kapitel ist eine Erklärung vorangestellt, in der einerseits erklärt wird, um was es in dem Kapitel inhaltlich geht und andererseits dargelegt wird, wie die Seiten und das dazu gehörige Verbrauchsmaterial verwendet werden sollen. Dabei werden die SchülerInnen direkt angesprochen.

 

Der Untertitel des Werks – „Eine Hilfe zum Schrift- und Spracherwerb" – lässt vermuten, dass hier Hilfen zum Erlernen der Schrift als auch solche zum Erwerb der deutschen Sprache zu finden sind. In ihrem kurzen Nachwort schreibt Thust: „Während meiner Tätigkeit in der Hörgeschädigtenpädagogik bin ich immer wieder auf das Problem des Schrift- und Spracherwerbs hörgeschädigter Kinder, aber auch Jugendlicher gestoßen. Das wenige Lehr- und Lernmaterial, das aufzutreiben war, hat mich veranlasst, selbst Spiele und Übungen zu kreieren" (o. Seitenangabe). Die intendierte Zielgruppe sind hörgeschädigte Grundschüler/innen. Thust schreibt in ihrem Vorwort, dass sie sich bei der Erstellung ihres Materials am Rahmenplan der „Regelschule" der ersten Klassen orientiert habe.

 

So ist im 1. Kapitel – ABC – insgesamt auf fünfzehn Seiten das Fingeralphabet, kombiniert mit den entsprechenden Groß- und Kleinbuchstaben sowie einem passenden Anlautbild abgebildet. Neben diesen Bildern findet sich eine Lineatur mit Ober-, Mittel- und Unterband, auf der die Schüler/innen die Buchstaben nachschreiben können. Dazu gibt es im Verbrauchsmaterial die gleichen Bilder wie im Buch zum Ausschneiden. „Nehme (sic!) diese, schneide einzelne Bilder aus und klebe sie auf ein Stück Pappe. Du kannst die Bilder jetzt auf dem Boden oder Tisch ausbreiten. Wenn du die Übung schwieriger machen möchtest, lass einfach immer ein Bild weg und dann noch eins." Zusätzlich bietet das Verbrauchsmaterial zu Kapitel 1 noch je zwei weitere Anlautbilder zu jedem Buchstaben, die zum Ausschneiden und Ausmalen gedacht sind.

 

Die Beschreibung des Materials zum 1. Kapitel verdeutlicht, dass es Thusts o.g.  Anspruch kaum gerecht wird. Das betrifft einerseits inhaltliche Aspekte. Aufgabenstellungen, wie sie aus Lese- und Schreibmaterialien für die Grundschule bekannt sind und für die eine große Auswahl auf dem Markt vorhanden ist, werden von Thust mit einer „Gebärde" versehen und schon soll es den Ansprüchen von hörgeschädigten GrundschülerInnen entsprechen. Formal ist andererseits zu bemängeln, dass die Abbildungen nicht eindeutig sind. So ist z.B. für den Anlaut ‚K’ das Wort Kerze ausgewählt worden, abgebildet aber ist eine Geburtstagstorte mit acht Kerzen. Für ‚V’ sind bei den Zusatzmaterialien die Bilder für ‚Verband’ und ‚Vater’ schon für Erwachsene recht schwierig zu identifizieren. Die meisten  Ausschneidebilder – nicht nur die zum 1. Kapitel – sind insbesondere für Erstklässler/innen mit 4,2 cm im Quadrat recht klein. Die Erläuterungen und Arbeitsanweisungen sind von Schüler/innen im ersten Schuljahr kaum eigenständig zu lesen. Auch für Erwachsene sind sie nicht immer auf Anhieb verständlich.

 

Die inhaltlichen Anforderungen der anderen Kapitel gehen kaum über das Niveau einer ersten Klasse hinaus. Nur im Kapitel 7 wird die Wortebene verlassen und der Satz thematisiert. Mit Hilfe des Verbrauchsmaterials sollen die Schüler/innen sich Wörter und die dazu passenden Gebärden aussuchen, sie zu einem Satz fügen und dann in ihr Heft abschreiben. Zu  dem Subjekt ‚Ich’ findet sich aber nur ‚bin’ als passend flektiertes Verb, zu ‚Du’ gar keins. Von den meisten Gebärden zu diesem Teil sind lediglich die Hände abgebildet, die Ausführungsrichtung ist deshalb sehr schwer auszumachen, weil eine Orientierung im Gebärdenraum fehlt.

 

Bei diesem Material davon zu sprechen, dass es eine Hilfe zum Schrift- und Spracherwerb sei, ist eindeutig zu hoch gegriffen. Es bietet einige wenige zusätzliche Möglichkeiten, beim Erlernen des Buchstabenbestandes sowie zum Lesen lernen unter Einbeziehung von Gebärden in Form von Abbildungen. Da es aber € 19,90 kostet, muss man sich fragen, ob sich die Anschaffung wirklich lohnt, zumal ja jedes Kind ein eigenes Exemplar haben muss, um damit arbeiten zu können.

 

Dr. Renate Poppendieker
Hamburg, im April 2007

Zurück